Visionen für die Zürcherstrasse
zueristr.jpgWie soll die Entwicklung der Zürcherstrasse in eine positive Richtung gelenkt werden? Fünf Teams haben Visionen für die langfristige Entwicklung im Rahmen eines Testplanverfahrens entwickelt. Nun ist die Bevölkerung aufgerufen, dazu Stellung zu beziehen.

Dass die Zürcherstrasse und die Auswirkungen der darauf verkehrenden täglich rund 26 000 Autos einer der negativsten Faktoren für die Entwicklung von Töss sind, ist unbestritten. Entsprechend rangierte diese Frage denn auch an der Ergebniskonferenz des Projekts Töss auf der Prioritätenliste der Quartierbevölkerung an zweiter Stelle. Nun hat die Stadt im vergangenen Sommer vier Teams damit beauftragt, im Rahmen eines sogenannten Testplanverfahrens Visionen zu entwickeln, wie die Entwicklung dieser Strasse in ihrer Doppelrolle als Verbindungsader für die ganze StadtWinterthur und gleichzeitig als Rückgrad für einen lebendigen Stadtteil Töss in eine positive Richtung gelenkt werden kann. Am Verfahren beteiligt waren Experten aus verschiedenen Bereichen wie Architektur, Verkehrsplanung und Landschaftsarchitektur. Die Ergebnisse wurden von einen Begleitgremium diskutiert, in dem auchVertreter der Quartierbevölkerung Einsitz hatten.
Auf Anregung (und finanziert durch die Kreisparteien von SP und FDP, VCS, Quartiervereinen und der Tösslobby) wurde ein fünftes Team in das Verfahren einbezogen. Dieses studierte speziell die Möglichkeiten, die Zürcherstrasse im Bereich des Zentrums tiefer zu legen. Ende Mai wurden die Ergebnisse der Bevölkerung vorgestellt.Nun läuft eine Vernehmlassungsfrist bis Ende Juli 2008.
Spannungsfeld unterschiedlichster Ansprüche
Stadtpräsident Ernst Wohlwend (SP) machte zu Beginn der Präsentation deutlich, dass ihm die Anliegen der Quartierbevölkerung wichtig sind. Er verwies darauf, dass die Zürcherstrasse aber auch für die ganze StadtWinterthur eine enorme Bedeutung habe. «Gegenwärtig ist die Zürcherstrasse eine schlechte Visitenkarte für Winterthur», hielt er fest und betonte die Notwendigkeit, dieses Eingangstor in eine positive Richtung zu entwickeln. Er betonte, dass dieser Prozess langwierig sein werde und dass die nun vorgestellten Arbeiten lediglich Visionen sind, die es in einem nächsten Schritt zu konkretisieren und zu überprüfen gilt. Wohlwend wie auch die präsentierenden Experten zeigten in der Folge die verschiedenen Spannungsfelder auf, die eine solche Entwicklung beeinflussen. Das zu bearbeitende Gebiet reicht von der Autobahnausfahrt bis zum Brühleck.
Die verschiedenen Teams haben vor allem Vorschläge in zwei Bereichen erarbeitet: Auf der einen Seite ein Aufwertung der unmittelbar an die Strasse grenzenden Liegenschaften sowie benachbarter Areale durch architektonische und stadtplanerische Massnahmen, auf der anderen Seite Lösungsan- sätze zur Frage, wie der Individualvekehr auf der Strasse möglichst flüssig und quartierverträglich gestaltet werden könnte.
Die Überlegungen zu den angrenzenden Quartieren und Liegenschaften zeigen, dass das Wohnen entlang der Zürcherstrasse wieder eine Zukunft haben kann. Die teilweise spannenden und teilweise auch gut zu realisierenden Massnahmen haben eine Vielfalt interessanter Möglichkeiten ergeben. Insbesondere haben sie gezeigt, dass bei der Einfahrt in die Achse der Zürcherstrasse mit relativ einfachen planerischen Massnahmen ein neues positives Signal gesetzt werden kann – etwas durch eine Überbauung oder eine leicht veränderte Verkehrsführung. Auch wurden verschieden Ideen zur Vernetzung der einzelnen Quartiere aufgezeigt.
Weniger überraschend war, dass dieVorschläge zum Verkehr kontroverser sind. Hier prallen auch die Bedürfnisse der Stadt nach einer optimalen Erschliessung des Sulzer Areals Stadtmitte und diejenigen der Quartierbevölkerung nach einerAufwertung des Zentrums aufeinander. Klar ist, dass in Zukunft nicht mit weniger Verkehr auf der Zürcherstrasse gerechnet werden darf. Die Planungsteams hatten keinen Auftrag, verkehrsreduzierendeMassnahmen zu entwickeln und es gibt keine Alternative zur Zürcherstrasse. Die Vorschläge reichen denn auch von einer neuen breiten Doppelspur in je beide Richtungen mit einer Mittelallee bis zur Tieferlegung der Zürcherstrasse im Bereich des Zentrums. Diese Variante wurde jedoch von den Experten wenig positiv bewertet.
Das weitere Verfahren sieht nun vor, dass bis Ende Juli eine Vernehmlassung bei der interessierten Bevölkerung durchgeführt wird. Anschliessend sollen verschiedene Schwerpunktvorschläge detaillierter überprüft und konkretisiert werden. Ernst Wohlwend betonte, das ergänzend zu den vom Begleitgermium genannten vier Schwerpunkten auch die Tieferlegung weiter geprüft werden soll. In ungefähr einem Jahr wird auf dieser Basis dann ein konkreterVorschlag für das weitereVorgehen durch den Stadtrat verabschiedet und in den politischen Prozess eingespiesen. Ernst Wohlwend rief die Anwesenden dazu auf, sich aktiv an diesem Prozess zu beteiligen.

 

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