Positive Zwischenbilanz im Projekt Töss
081028_toess_podium_klein.jpgAm 28. Oktober kam der gesamte Winterthurer Stadtrat nach Töss, um gemeinsam mit der Bevölkerung eine Zwischenbilanz im Projekt Töss zu ziehen. Die Stimmung an der Versammlung war harmonisch – auch wenn sich alle bewusst waren, dass noch viel zu tun ist. «Me seit me segid echli ruuch…» heisst es im kaum mehr bekannten Tössemer Lied. Davon war am 28. September im reformierten Kirchgemeindehaus Töss aber wenig zu spüren – im Gegenteil: sowohl der vollzählig anwesende Winterthurer Stadtrat wie auch die etwas über 100 Tössemerinnen und Tössemer gingen ausgesprochen nett miteinander um. Was nicht heisst, dass nicht das eine oder andere heisse Eisen aufgegriffen wurde. «Paradise Töss» hiess zwar ein liebevoller Reggae Song, den Töss-Lobby-Präsidentin Monika Imhof einspielen liess. Auch wenn es sich hier gut leben lässt – ein Paradies ist Töss noch nicht. Darin waren sich die Anwesenden einig.
Vorbildcharakter mit Lernpotenzial
081028_toess_ew.jpgDas Projekt Töss, so Stadtpräsident Wohlwend in seiner Einleitung, sei inzwischen bereits zu einem Vorzeigeprojekt für Stadtentwicklung unter Einbezug  der Bevölkerung geworden. Allerdings sei es auch nach wie vor ein Versuchsfeld und beide Seiten müssten nach wie vor lernen. Dass in den vergangenen Jahren das Image von Töss sich verbessert habe und auch viele Projekte eingeleitet und teilweise auch bereits umgesetzt werden konnten, liege sowohl an der Bevölkerung, die sich in einem starken Masse engagiert habe, als auch am Einsatz, den viele städtische Angestellte gezeigt hätten.
In vieler Beziehung sei das Projekt vorbildhaft – und die Stadt müsse prüfen, ob und in welcher Form allenfalls auch in anderen Stadtteilen ähnliche Formen angewendet werden könnten. Daneben sei aber auch im Projekt Töss noch Lernpotenzial vorhanden. «Die StadtWinterthur ist zum Beispiel zum Glück keine Diktatur, in der der Stadtrat einfach verfügen könne – auch wenn das für uns im Stadtrat vielleicht manchmal angenehm wäre …»: In vielen Bereichen sei der Einfluss der Stadt beschränkt und zudem seien auch dieWünsche aus der Bevölkerung durchaus nicht immer eindeutig. Beide Seiten – Verwaltung und Bevölkerung konnten lernen. Die Verwaltung zum Beispiel, dass sehr sorgfältig informiert werden müsse, und die Bevölkerung müsse auch versuchen zu verstehen, dass die Rahmenbedingungen für die städtischen Angestellten manchmal enge Grenzen setzten.
Von Lehrstellen bis zum Zentrum
081028_toess_pp.jpgAnschliessend stellten Stadträtin Pearl Pedergnana und die Stadträte Walter Bossert und Matthias Gfeller den Umsetzungsstand einiger Projektschwerpunkte vor. Pearl Pedergana griff insbesondere die von jugendlichen initiierten Projekte auf. Die Idee zum Beispiel, in Töss zusätzliche Lehrstellen zu schaffen sei aufgenommen worden und es wurde in der Verwaltung eine Stelle geschaffen, um zusammen mit Gewerbe und Privatindustrie in der ganzen Stadt neue Lehrstellen schaffen. Auch die Stadt trage ihren Teil dazu bei.
Ein wichtiges Anliegen war es auch, dass öffentliche Räume, zum Beispiel Turnhallen, besser genutzt werden könnten. Zusammen mit dem Sozialamt und weiteren Institutionen wurden in Töss verschiedene Angebote in diesem Bereich geschaffen – so Midnight Basketball – und wurden versuchsweise die Turnhallen auch am Sonntag für Jugendliche geöffnet.
Walter Bossert zeigte am Beispiel des Zentrums Töss die 081028_toess_wb.jpgSchwierigkeit der Stadt auf, bei Privatbesitz zu intervenieren «auch wenn das noch so dringend wäre». Immerhin könne auch beim Zentrum davon ausgegangen werden, dass der Tiefpunkt erreicht sei und es nur noch besser werden könne.
081028_toess_mg.jpgMatthias Gfeller zeigte anhand des Projektes Aufwertung Reitplatz, wie vordergründig einfach Lösungen bei genauerer Betrachtung komplizierte Abklärungen erforderten – und dass auch die kantonalen Behörden in vielen Bereichen ihren Einfluss geltend machten.
Ernst Wohlwend schliesslich konnte verkünden, dass der Güterschuppen beim Bahnhof Töss schon bald vermehrt für Quartiernutzungen zur Verfügung stehen würde, da mit den SBB eine Übereinkunft über eine Zwischennutzung gefunden werden konnte. Mittelfristig soll das Areal sorgfältig neu geplant und teilweise überbaut werden.
Eine Spezialbeilage zum Projekt Töss in der aktuellen Ausgabe des Tössemer geht detailliert auf die im Rahmen des Projektes Töss eingeleiteten und umgesetzten Massnahmen ein.
Versuchskaninchen Töss
Monika Imhof nahm anschliessend an die stadträtlichen Ausführungen aus Sicht der Tösslobby Stellung. Dass es die Tösslobby gibt ist ebenfalls ein Ergebnis des Projektes. Sie wirkt für die städtische Verwaltung alsVerbindung zur Quartierbevölkerung – und in dieser Funktion sei sie sich manchmal etwas als «Versuchskaninchen» vorgekommen. Trotz der Schwierigkeiten, die manchmal bestanden, sei aber doch sehr vieles auch erreicht worden. Sie schloss mit Ihren Ausführungen mit der Einspielung des bereits erwähnten Reggae-Song: «Paradise Töss» …
081028_toess_podium.jpgIn der anschliessenden Diskussions- und Fragerunde nahmen dann auch die weiteren anwesenden Stadtratsmitglieder und Vertreter der Verwaltung teil. Am meisten brennt für die Bevölkerung nach wie vor die Situation um das Zentrum Töss und der Verkehr auf der Zürcherstrasse.Aber grundsätzliche Differenzen zum Stadtrat liessen sich nicht ausmachen. Man war sehr nett – auf beiden Seiten. Dass dies so sein konnte ist sicher auch auf das von beiden Seiten sehr engagiert betriebene Projekt Töss und alle seine vielen kleinen Teilprojekte zurückzuführen.
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 07. Januar 2009 um 20:59 Uhr
 

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