Geschichte aufgefrischt
In den vergangenen Monaten wurde die Eingangshalle des Schulhauses Eichliacker fachgerecht aufgefrischt. Dazu gehört auch die Renovation der Bilder des Tössemer Künstlers Jean Affeltranger, denen als zeitgeschichtliches Dokument grosse Bedeutung zukommt. Entstehung Schulhaus Eichliacker
Von 1860 an mussten in Töss Schulhaus um Schulhaus entstehen. Die Schulgemeindeversammlung be schloss am 5. November 1899 den Neubau eines Schulhauses mit 8 bis 9 Lehrzimmern, nachdem das 1891 errichte te Schulhaus an der Gutenbergstrasse nicht mehr genügte, und beauftragte die Schulpflege mit der Wahl eines geeigne ten Bauplatzes. Man wählte einen Landkomplex im Eichliacker im damaligen Quartier XIV, der am 25. Februar 1900 mit 196 zu 42 Stimmen in der Gemein deversammlung angenommen wurde. Die Wahl des Bauplatzes stiess aber auf Widerstand seitens einiger Anwohner der Gemeinde, denen bereits beim Bau des Schulhauses neben der Kirche bei ei nem neuerlichen Schulbau ein Bauplatz in der Langgasse (äussere Zürcherstrasse) in Aussicht gestellt worden war. Der Rekurs wurde allerdings abgelehnt, da man die zukünftige bauliche Entwicklung des Eichliackers, der aufgrund der «günstigen, weil centralen Lage zwischen den drei grossen industriellen Etablissements von Gebr. Sulzer, der Lokomotivfabrik und der Aktiengesellschaft vormals J. J. Rieter zum Bauterrain wie geschaffen ist» (Akte Stadtarchiv Winterthur, Schulpflege Töss, Abt. II B 8e, Nr. 2 vom 25.4.1900), günstiger einschätzte. Das Terrain war ausserdem gut erschlossen und die z.T. bereits vorhandene, z.T. einsetzende Wohnbebauung liess wachsende Schülerzahlen in unmittelbarer Umgebung erwarten.
Planung und Bauleitung für das neue Schulhaus wurden dem Architekten Hermann Siegrist-Allweyer übertragen. Am 3. März 1901 beschloss die Schul - gemeinde einstimmig den Bau nach den eingereichten Plänen und dem Kostenvoranschlag von Fr. 191 000. Mit den Arbeiten, die vorwiegend durch einheimische Handwerker ausgeführt wurden, wurde sofort begonnen, Bau meister war Heinrich Leemann. Bereits im Herbst desselben Jahres war der Roh bau fertiggestellt. Die Übergabe des neu en Schulhauses erfolgte am 19. Oktober 1902.
Erhaltenswerte Innenausstattung
Der auch über die Schweiz hinaus be kannte Winterthurer Künstler Jean Af feltranger schuf die beiden Malereien im Haupteingangsbereich. Die gewählten Landschaftsmotive haben regionale Bezüge und sollten möglicherweise die regionale Identität der Arbeiterkinder prägen und zu deren Bildung beitragen. Erstaunlich einfach präsentiert sich die Malerei und kann möglicherweise als bewusster Rück griff auf die naive Malerei verstanden werden. Sie widerspricht dem soliden Akademiestil, für den Jean Affeltranger bekannt war. Eher entsprechen die Bilder den Vorstellungen des Auftraggebers. Auf der Nordwand ist im Mittelfeld die Kyburg, drohnend auf einem Hügelsporn über der Töss, dargestellt. Links und rechts davon befanden sich laut dem Ge denkblatt über die Übergabe des Schulhauses von 1903 zwei kleinere Bilder mit der Darstellung der Mörsburg und der im Wald versteckten Ruine Alt-Wülfingen. Auf der Südwand ist im Mittelfeld das Kloster Töss eingebettet in seine umgebende Landschaft dargestellt mit der über die Töss führende, überdeckte hölzerne Brücke. Links davon muss sich ein klei nes Bild mit der Darstellung der grossen Überschwemmung der Gemeinde Töss von 1876 und rechts vom Mittelbild eine Darstellung des Schlosses Wart bei Nef tenbach befunden haben. Die dargestellten Landschaften und Ge bäude geben also Auskunft über die Um gebung der Gemeinde Töss. Die beiden noch vorhandenen Bilder sind mittig der mit Textil bespannten Wandfläche angeordnet und mit einem schlichten dunklen Rahmen von der hellgrau gestrichenen Wand abgesetzt. Täferung, Holzteile, Sockelquarder und Gesimse sind ebenfalls mit einer hellgrauen Kunstharzfarbe gestrichen.Im Rahmen einer geplanten Innenrenovation verlangte die Denkmalpflege eine genauere restauratorische Untersuchung der Eingangshalle. Dabei wurde festgestellt, dass die Bilder ursprünglich mit Jugendstilornamenten gerahmt waren. Bei den Renovationsarbeiten wurden nun nicht nur die ursprünglichen Bildrahmen wieder hergestellt, sondern nach Absprache mit der Denkmalpflege, den Restauratoren und dem Hochbau auch die gesamte Farbgestaltung der Eingangshalle möglichst wieder nach den ursprünglichen Vorgaben rekonstruiert. Im September konnte die Einganshalle nun übergeben werden. Ein Besuch ist zu empfehlen.

Quellen: Denkmalpflege Winterthur, Gutachten Vestigia vom 31. Mai 2009.
 

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