Ein Mangel der Demokratie
wirth_roland.jpgRoland Wirth, Gemeinderat und Mitglied der SP Töss, setzt sich im Gemeinderat dagegen ein, dass Töss durch eine  tiefer gelegte Vogelsangstrasse auch noch eine zweite Ausfallachse in Richtung Zürich ertragen soll. Er setzt auf Solidarität  und Vernunft der andern Stadtteile.
Demokratie ist eine gute Sache, jeder interessierte Mensch kann sich äussern und es wird das gemacht, was eine Mehrheit will. Und doch hat unser hochgelobtes System einen gefährlichen Mangel: Mehrheiten können sich auf Kosten von Minderheiten besser stellen. Dazu ein drastisches Beispiel: Gäbe es auf Bundesebene eine Volksinitiative mit dem Ziel, alle Romands zu deutschschweizer Haushaltssklaven zu machen, müsste die Initiative (zumindest wenn man von streng eigeninteressierten Menschen ausgeht) angenommen werden. Ein demokratischer Entscheid, die Mehrheit lebt nun besser, alles fair gelaufen. Zum Glück gibt es in der Bundesverfassung einen Katalog von Menschenrechten, welche jeden Einzelnen vor der Mehrheit schützt. Leider gibt es in der Bundesverfassung kein Menschenrecht auf saubere Luft oder auf Schutz vor Verkehrslärm.
Daher könnte Töss zum demokratischen Opfer einer Mehrheit der Rest-Winterthurer Bevölkerung werden, wenn dereinst über eine tiefer gelegte Vogelsangstrasse abgestimmt wird. Töss erträgt mit der Zürcherstrasse und der A1 schon jetzt einen Grossteil des Verkehrs in dieser Stadt. Mit einer tiefer gelegten Vogelsangstrasse wären es dann zwei Ausfallachsen in Richtung Zürich. Zweifellos verbunden mit einem starken Anwachsen des Verkehrs und neu betroffenen Wohnquartieren wie Neumühle/Auwiesen, Vogelsang, Eichliacker und Sulzer Areal Stadtmitte. Und das ganze wäre prob- lemlos demokratisch legitimierbar, denn die Mehrheit der Stadtbevölkerung würde ja nicht am eigenen Leib betroffen und kann nachher besser Auto fahren.
Demokratie funktioniert nur dann, wenn Nutzen und Lasten eines Projektes für alle etwa gleich gross sind. Da dies reine Theorie ist, bleibt mir als Tössemer Gemeinderat nichts anderes übrig, als im politischen Prozess an die Solidarität der andern zu appellieren und auf deren Vernunft zu hoffen. So können wir dieses unsinnige Strassenprojekt stoppen und zeigen, dass ein lebenswertes Töss (auch, aber nicht nur als Visitenkarte) für die ganze Stadt wichtig ist.
Roland Wirth, Gemeinderat SP
 

Suche

Agenda

Folgt uns auf

FacebookTwitter