Jetzt muss die Stadt das Zentrum Töss kaufen
zentrum_sw_180.jpg "Jetzt muss die Stadt das Zentrum Töss kaufen!" - das fordert in einem Diskussionsbeitrag zu den nächsten Schritten im Projekt Töss Matthias Erzinger. Der Kauf des Zentrums Töss durch die Stadt werde einen ähnlichen Effekt auslösen wie der von der Tieferlegung der Zürcherstrasse erhoffte, meint Erzinger. Er warnt, dass ohne rasche Fortschritte beim Zentrum Töss die Umgestaltung der Zürcherstrasse nur Beschwichtigungs- und Pflästerlipolitik sei. Lesen Sie den ganzen Beitrag. Seit 2004 steht die nachthaltige Entwicklung des Stadtteiles Töss auf der Agenda. Vieles haben die Bevölkerung und die städtischen Behörden und Verwaltungsstellen gemeinsam erreicht. Das Model der Stadtteilentwicklung mit Einbezug der Bevölkerung hat schweizweit Modellcharakter erhalten. Am Anfang dieser Entwicklung stand die zunehmende „Verslumung“ des Stadtteils. Das Bild von Töss war geprägt durch den immer stärker werdenen Verkehr auf der Zürcherstrassse und gleichzeitig dem Abstieg des „Zentrums Töss“ als Quartierzentrum und Einkaufsbereich mit einem vielfältigen Angebot. Grund für diesen Abstieg war nicht zuletzt der Kollaps der Erbgruppe. Nach wie vor ist das „Zentrum Töss“ Teil der strittigen Konkursmasse und wird durch die Familie Erb verwaltet.
Bisher wurden im Rahmen des Projektes Töss viele Massnahmen getroffen, und einiges erreicht wie z.B. das Gemeinschaftszentrum – aber nun stehen die beiden entscheidenden Punkte an: Verkehr und „Zentrum Töss“ Hier wird sich letztlich zeigen, ob das Projekt Töss nachhaltig erfolg-reich sein wird.
Zürcherstrasse und „Zentrum“ sind verknüpft
Für den Bereich Verkehr haben die städtischen Behörden Anfang Juni informiert und den Weg aufgezeigt, den sie beschreiten möchten: Die Zürcherstrasse soll zu einer neuen Visitenkarte der Stadt Winterthur werden. Keine Chance hatte das im Stadtteil selbst favorisierte Projekt einer Tieferlegung der Strasse im zentralen Bereich und die Schaffung eines neuen urbanen Begeg-nungsraumes. Warum hat Töss selbst so stark für diese Tieferlegung Partie ergriffen? Es ist vor allem der symbolische Wert: Endlich mal aufschnaufen, endlich ein deutlich sichtbares Zeichen für eine Verbesserung, endlich einen Raum zum atmen inmitten des Verkehrs. Die Tieferlegung der Zürcherstrasse hätte dem Bereich zwischen Eisenbahnlinie und Abzweigung Schlosstalstras-se den dringend notwendigen Entwicklungsschub gebracht. Aus der Traum. Es wurde ein Projekt zur Weiterbearbeitung ausgewählt, das aus gesamtstädtischer Sicht mehr Vorteile hat. Es bringt auch Verbesserungen für die Bevölkerung im Bereich zwischen Schlosstalstrasse und Brühleck, es plafoniert den individuellen Motorfahrzeugverkehr, es ist rascher umsetzbar und wohl auch deutlich günstiger. Es ist der Projektleitung und den städtischen Behörden zuzugestehen, dass das Projekt Zürcherstrasse sorgfältig, umfassend und schnell vorangetrieben wurde – auch wenn wir uns vielleicht ein anderes Resultat gewünscht hätten. Klar ist aber: Gerade im für Töss zent-ralen Bereich ist die Neugestaltung der Zürcherstrasse eng mit der Entwicklung der angrenzen-den Areale verknüpft.
„Zentrum Töss“ aus der Konkursblockade herauslösen
Hier sieht die Bilanz weniger positiv aus. Beim „Zentrum Töss“ stellt sich die Stadt nach wie vor auf den Standpunkt, dass ihr die Hände gebunden seien und sie lediglich zwischen der Familie Erb und interessierten Investoren moderieren könne oder Investoren auch Unterstützung gewäh-ren. Diese Haltung lässt sich nicht mehr länger aufrechterhalten. Soll die Neugestaltung der Zür-cherstrasse ernst gemeint sein, muss auch beim Zentrum Töss gehandelt werden. Und da dies von den jetzigen Besitzern nicht zu erwarten ist, muss die Stadt handeln. Das Zentrum muss endlich aus dem unseligen Erbkonkurs herausgelöst werden und neu entwickelt werden. Die Stadt Winterthur sollte umgehend in aktive Kaufverhandlungen mit der Familie Erb treten. Zu-sammen mit den Gläubigern kann sie den notwendigen Druck aufbauen, um einen fairen Preis zu erreichen. Anschliessend hat die Stadt gute Aussichten, das Areal zu entwickeln und auch Inves-toren zu suchen, die das Zentrum danach übernehmen. Ich bin überzeugt das es für die Stadt einfacher sein wird, das Areal weiter zu vermitteln als dies für die Familie Erb ist, die ja letztlich gar kein Interesse daran hat, den Status Quo zu ändern. Er garantiert ihr durch die Mieteinnah-men nach wie vor jährliche Einnahmen für sogenannte Leistungen (zum Beispiel Entschädigung als Verwaltungsräte), die bei einem Verkauf wegfallen würden.
Aber nicht nur das „Zentrum Töss“ soll durch die Stadt aktiv entwickelt werden. Auch beim Areal, auf dem sich die Coop-Filiale befindet besteht Handlungsbedarf. Über kurz oder lang stellt sich die Frage nach der Zukunft der Filiale – die Eröffnung des Lokwerks wird ihre Existenz früher oder später zumindest in Frage stellen. Daher ist die Stadt jetzt gefragt – und nicht erst dann, wenn es zu spät ist. Wenn die Stadt Winterthur bei diesen beiden Arealen eine zentrale Füh-rungsrolle übernimmt, kann sie für den zentralen Bereich von Töss viel Positives bewirken – und nicht zuletzt den durch das Projekt Töss ausgelösten Imagewandel nachhaltig verstärken.
Tieferlegung der Zürcherstrasse in Ehren beerdigen
Für Töss bedeutet dies, dass wir den Traum der Tieferlegung beerdigen, und dafür im Gegenzug als Ausgleich mit allen möglichen Mitteln den Forderungen nach einem Kauf des Zentrums und einer sorgfältigen, aktiven Entwicklung des gesamten zentralen Bereichs des Quartiers Nach-druck verleihen sollten. Der Kauf des Zentrums Töss durch die Stadt und eine raschen Entwicklung wird einen ähnlichen Effekt auslösen, den sich die Tössemer Bevölkerung von der Tieferlegung der Zürcherstrasse erhoffte. Ohne rasche Fortschritte beim Zentrum Töss hingegen bleibt die Umgestaltung der Zürcherstrasse und viele andere Einzelmassnahmen des Projektes Töss das, was böse Zungen behaupten: Beschwichtigungs- und Pflästerlipolitik.



Zuletzt aktualisiert am Sonntag, den 21. Juni 2009 um 15:44 Uhr
 

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