Susann und Heinz Lüttinger
luettinger.jpgSusann und Heinz Lüttinger arbeiten seit 18 Jahren hinter den Kulissen des «Tössemers»
In Töss geboren, in Töss aufgewachsen, in Töss die Liebe gefunden, gearbeitet, die Kinder gross gezogen, die Pünt gepflegt und dann vor elf Jahren «aufs Land» gezogen, ins Dättnau: Susann und Heinz Lüttinger sind Ur-Tössemer, schon die Eltern von Susann haben in Töss gelebt. Den Schritt «aufs Land» bereuen sie aber keineswegs.
«Es war eine Chance.» Und Chancen packen die beiden immer am Schopf.
Als die Tochter und der Sohn aus dem Elternhaus auszogen, freuten sich Susann und Heinz darauf, «jetzt wieder mal egoistisch» an sich selbst zu denken. 25 Jahre hatte Heinz als Informatiker bei Rieter gearbeitet. Er war zufrieden gewesen, telefonierte jeden Morgen mit seiner Frau, kam mittags nach
Hause, um gemeinsam mit der Familie mittagzuessen, fuhr die Tochter mittwochs in die Stadtmusik, machte «Hausmann»-Ferien, wenn seine Frau einen einwöchigen Weiterbildungskurs beim freiwilligen Zivilschutz absolvierte, übernahm 1989 die Adresskartei der Leserinnen und Leser des «Tössemers», die ausserhalb von Töss wohnen (siehe Kasten) und er engagierte sich als leidenschaftlicher Sportler im Sportverein Satus Töss, lange Jahre auch als dessen Präsident. Und dann, als die grosse Verantwortung als Miterzieher kleiner wurde und die Kinder schliesslich auszogen, kennzeichnete er seinen neuen Lebensabschnitt mit einem Stellenwechsel und neuen Freizeitinteressen. «Ich bekam die Chance, in einem Betrieb ein neues Rechenzentrum aufzubauen », erzählt er begeistert. Der besonnene Sportler und erklärte Sommermensch konnte sich in
der neuen Firma eine für ihn einmalige Jahresarbeitszeit einrichten: Im Sommer arbeitet er nur an vier Tagen. Das gibt ihm und seiner Frau die Möglichkeit, verlängerte Wochenenden zum Wandern und für Ausflüge aller Art zu nutzen. Und für die
neue Sportart: Golf.
Die Funkerin und der Goblinsticker
Anfänglich konnte sich seine Frau gar nicht für seine neue Leidenschaft begeistern. Doch Heinz konnte sie überzeugen und heute ist sie vom Golfen «aagfrässener als ich», schmunzelt er. «Was ich mache, mache ich hundert Prozent», erwidert sie lachend.
Fünfzehn Jahre war die gelernte Zahnarztgehilfin
Hausfrau und Mutter und das sehr gerne. Um sich selber «einen Ausgleich zum Bügeln und Abstauben » zu schaffen, liess sie sich im freiwilligen Zivilschutz zur Funkerin, sogar zur Gruppenchefin, ausbilden. Daneben hatte sie immer viele kreative
Ideen von der farbigen Wandgestaltung der Wohnung über handgemachte Schmuckstücke, selbstgemalte Bilder, bis hin zu dekorativen Grusskarten. Lange Jahre besuchte sie auch einen Nähkurs. Ihr Mann unterstützte sie in allem, sogar im Sticken.
Das kam so: Sie liebt es noch heute, Weihnachtsgeschenke selber herzustellen. Als sie sich in einem Jahr allerdings mit dem Besticken von Handtüchern in der Arbeit überschätzt hatte, griff Heinz kurzerhand zur Nadel und half ihr, die Geschenke rechtzeitig
zu Weihnachten fertigzustellen. Das Sticken an sich empfand er als einen sehr entspannenden Ausgleich zu seiner beruflichen Tätigkeit, das Endprodukt, die «Tüechli», jedoch empfand er als etwas eintönig. Und so suchte er sich nach Fertigstellung
der Geschenke eine anspruchsvollere Stickerei: den Goblin. Zwölf Bilder von Albert Anker stickte er einige Winter lang. Und einen Stuhl für seine Schwiegermutter.
Zwischen den Tanzkursen die Kinder grossgezogen
Als die Kinder allmählich selbständiger wurden, begann Susann, einer Bekannten im RestaurantOchsen im Service zu helfen. Nach ein paar Jahren wurde sie auf ein Stelleninserat aufmerksam: Gesucht wurde eine Zahnarztgehilfin. Acht Jahre übte sie voller Begeisterung ihren einst erlernten Beruf wieder aus, bis ihr Chef im vergangenen Jahr pensioniert wurde. Zwischendurch hatte sie zwei Stellen und arbeitete hundert Prozent. «Ich wollte zeigen,
was ich kann», erinnert sich Susann. Doch das wurde ihr neben Haushalt und Familie, der ganzen Buchhaltung für den «Tössemer» und der Vorstandsarbeit als Aktuarin im Satus Töss dann doch zu viel. Seit Februar arbeitet Susann nun, nachdem
sie einen dreimonatigen kaufmännischen Kurs für Wiedereinsteigerinnen bei der WEFA absolviert hat, als Administratorin in einer betreuten Alterswohngruppe in Zürich.
Alles neu nach dem Auszug der Kinder? Nicht ganz. Kennen- und liebengelernt haben sich Heinz, «der ruhende Pol», wie er sich selber bezeichnet, und Susann, die quirlige, ideensprühende Hobbydekorateurin vor über dreissig Jahren in einem Tanzkurs.
Und da gehen sie jetzt nach all den Jahren wieder hin.
Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 11. Juni 2008 um 22:36 Uhr
 

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