Ein Tössemer Urgestein
Am 25. September ist der Tössemer Dorfchronist Hans Raas nach kurzer Krankheit im 87. Altersjahr, für die Öffentlichkeit völlig überraschend, gestorben. Hans Raas war ein Tössemer «Urgestein» im besten Sinne des Wortes – und hat sich einen grossen Teil seines Lebens in den verschiedensten Funktionen für die Allgemeinheit eingesetzt.
Ein Nachruf von Henry Müller.
Zwei Wochen vor seinem Hinschied hatte er mit seiner Gattin noch an der Eröffnungsveranstaltung «J. C. Heer und sein Töss», die aus Anlass des 150. Geburtstages des Dichters stattfand, bei scheinbar guter Gesundheit teilgenommen. Er hatte die Organisatoren mit seinem grossen Wissen über den Schriftsteller und seiner immensen Fotosammlung noch tatkräftig unterstützt.
Hans Raas wohnte stets in Töss, die meiste Zeit im Reiheneinfamilienhaus an der Klosterstrasse 57, das sein Vater 1929 erworben hatte. Bei Sulzer absolvierte er eine Lehre als Maschinenschlosser. Später studierte er am Abendtechnikum in Zürich Maschinenbau, um anschliessend wieder bei der Lehrfirma in der Zentralstelle für Schweisstechnik und Wärmebehandlung zu wirken. Schon kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges trat Hans Raas dem Turnverein Töss bei, dem er stets verbunden blieb. Für die vielen Verdienste, die er im Laufe der Jahrzehnte um diesen Verein erwarb, wurde ihm im Jahre 1972 die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Unter anderem war er 1970 Mitverfasser der Jubiläumsschrift «100 Jahre Turnverein Töss». Der Verstorbene stellte sich in Töss für die verschiedensten Ämter zur Verfügung. Während den Sechzigerjahren vertrat er die einst traditionsreiche Demokratische Partei, die später mit der Freisinnigen Partei fusionierte, in der Kreisschulpflege. Während einigen Jahren war er Präsident dieser wichtigen lokalen Behörde. Über dreissig Jahre lang leistete er auch im Wahlbüro Töss Dienst, die letzten sechs Jahre als Obmann. Ein besonderes Anliegen war ihm der Ferienkolonieverein Töss respektive das Ferienheim Schönenbühl in Wolfhalden. Dieser Institution diente er rund vier Jahrzehnte lang als äusserst aktives Vorstandsmitglied, längere Zeit als Präsident und als Vermieter des Hauses. Auch bei der alljährlich stattfindenden Reinigung des Ferienheimes war er mit seiner Gattin im Appenzellerland stets präsent. Von 1976 bis 1980 gehörte er zudem der Verwaltung der Schwimmbadgenossenschaft Töss an, anschliessend noch einige Jahre als Revisor. Auch die Mitarbeit bei der in Töss beliebten Altersstubete war ihm ein echtes Anliegen.
Von 1954 bis 1970 leitete der Verstorbene mit grossem Engagement nebenamtlich die Bibliothek Töss. Als Literaturkenner gab er sich aber nicht nur mit der zweimal wöchentlichen Bücherausgabe zufrieden, sondern beriet seine grosse Leserschaft bei der Auswahl des Lesestoffes und organisierte immer wieder Ausstellungen über literarische und andere Themen. Nach der Eröffnung der Kreisbibliothek im Zentrum Töss assistierte Hans Raas die vollamtliche Leiterin noch bis im Jahre 1982.
Vielen Tössemerinnen und Tössemern bleibt Hans Raas aber auch als Verfasser zahlreicher Künstlerporträts und lokalhistorischer Beiträge für unsere Quartierzeitung sowie des grossartigen Festspiels zur Einweihung des Schulhauses Rosenau im Jahre 1963 in bester Erinnerung. Grundlage dafür bildeten, wie eingangs erwähnt, die unzähligen, während Jahrzehnten gesammelten und archivierten Fotos, Zeitungsberichte, Chroniken, zu Büchern gebundene Quartierzeitungen sowie weitere Kostbarkeiten über die Geschichte von Töss. Hans Raas war, wie es Pfarrer Helge Fiebig anlässlich der Trauerfeier ausdrückte, im wahrsten Sinne des Wortes «Tössemer Urgestein».
 

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