Thomas Juzi: Zwei Leidenschaften zum Beruf gemacht

Bild Thomas JuziMusiklehrer Thomas Juzi (31) ist zur Zeit der einzige Velomech in Töss: Seit zwei Jahren führt er das «Radwerk» an der Dammstrasse im ehemaligen "Dreieck". Regina Speiser hat ihn im Tössemer vom November 2010 portraitiert.


Ein älterer Herr radelt gemächlich und in aufrechter Sitzposition auf das «Radwerk» zu, bremst, hält und stellt einen Fuss auf den Trottoirrand. «Grüezi Herr Meili, gaht’s guet?», begrüsst ihn Thomas Juzi freundlich. Gerade eben hat er sein Geschäft geöffnet und stellt die ersten Velos zum Verkauf vors Lokal. «Ja, ja, es muess», nickt Herr Meili, auf seinem Velo sitzen bleibend und erkundigt sich, ob das Geschäft jetzt wieder offen habe. Ja, die Ferien sind vorbei und Thomas Juzi ist wieder da, für kleine und grosse Reparaturen sowie für Zweiradverkäufe. Das freut Herrn Meili und mit einem «also, bis bald» segelt er wieder von dannen.

Die Herzdame am Kugellager
Begegnungen mit der Quartierbevölkerung schätzt der an der Bütziackerstrasse wohnende Jungunternehmer sehr. Samstags, wenn die Werkstatt geschlossen ist, der Laden aber geöffnet hat, kommen Nachbarn, Freunde und Fremde oft auf einen Schwatz vorbei. Die Themen reichen vom Smalltalk über die Quartierentwicklung bis zum Fachsimpeln über die neuste Federgabel; auch persönliche Gespräche haben Platz. «Zini», wie ihn seine Freunde seit Kindsbeinen an nennen, geniesst diese Geselligkeit.
«Ich bin ein Familienmensch», sagt er und schwärmt von seinem dreizehn Monate alten Sohn Benno. Und von seiner Beatrice. «Ich bespreche jeden Entscheid mit ihr», sagt Thomas Juzi. «Wir ergänzen uns ideal. Ich sage, was ich gern hätte und sie sagt mir, was möglich ist.» Die gelernte Uhrenmacherin und Aktivierungstherapeutin Beatrice Elmer kümmert sich nicht nur um die Buchhaltung vom Radwerk. Ganz feine Reparaturen, wie etwa das Reinigen eines kleinen Kugellagers, überlässt er gerne seiner feinmechanisch begabten Herzdame.
Knieverletzung zwingt zum Umdenkenthomas_juzi2_300Die Leidenschaft für unmotorisierte Zweiräder brach bei Thomas Juzi schon in jungen Jahren aus. Und er pflegte seine Leidenschaft intensiv. Im Rennteam. Mit dem Mountainbike über Stock und Stein. Bis ihn eine komplizierte Knieverletzung zu einer vierjährigen Velopause zwang. Das gerade in Basel begonnene Sportstudium musste er abbrechen.
Kurzerhand besann er sich auf seine zweite Leidenschaft: die Musik. Im Alter von fünf Jahren hatte er mit Geige spielen begonnen. Später brachte er sich selber Klavier-, Schlagzeug-, Gitarre-, Mandoline und Bass-Spielen bei. Er suchte nach einer Möglichkeit, seine intensive Auseinandersetzung mit der Musik in einem Beruf einbringen zu können und liess sich zum Primarlehrer ausbilden. Nach erfolgreichem Abschluss fand er eine Stelle als Musiklehrer in Diessenhofen.
Ein Velo muss passen wie ein Schuh
Doch hundert Prozent Musiklehrer sein wollte er auf die Länge nicht. Er suchte nach Alternativen und die Idee eines Fahrradgeschäftes begann Gestalt anzunehmen. Mittlerweile war das Knie nach der langen Zwangspause verheilt. Und Thomas Juzi stieg wieder aufs Mountainbike. Als dann das halbrunde Lokal an der Ecke Dammstrasse/Eichliackerstrasse frei wurde, packte er die Gelegenheit und wurde im Juli 2008 Jungunternehmer. Die von ihm verkauften Marken kennt er aus eigener Erfahrung aus der Zeit seiner Rennkarriere. «Ich verkaufe nur, wovon ich auch überzeugt bin.» Um das Material weiterhin testen zu können, gründete er das Radwerk-Marin Mountainbike Rennteam. Aus den Erfahrungen aus dem Rennsport lasse sich vieles auf den Alltag übertragen, betont Thomas Juzi. «Ein Velo muss passen wie ein Schuh», ist er überzeugt. Eine ergonomisch korrekte Sitzposition sei das A und O, «sonst drückt der Schuh». Aufs Fahrrad übertragen erwähnt er Muskelverkrampfungen, Fehlbelastungen der Gelenke, Gefühlsverlust an den Händen und weiteres.
thomas_juzi_300Statisch werden ist ihm ein Greuel
Den Sprung in die Selbständigkeit hat Thomas Juzi nicht bereut. Sein Geschäft platze bereits aus allen Nähten. Er hat einen Kellerraum hinzugemietet und beschäftigt in der Sommersaison drei Mitarbeiter zu insgesamt vierzig Prozent. Im Winter dagegen läuft wenig, da schränkt er seine Öffnungszeiten ein und hat dafür umso mehr Zeit für die Familie. Und für seinen zweiten Beruf. Seine Anstellung als Musiklehrer hat er nie aufgegeben und möchte das, wenn möglich, auch nicht. Sieben Lektionen unterrichtet er aktuell an der Oberstufe in Wiesendangen. Er wolle im pädagogischen Umfeld aktiv bleiben und sich weiterbilden. «Ich will an beiden Orten nicht statisch werden.» Es ist ihm bewusst, dass es ein grosses Privileg ist, seine beiden Leidenschaften gleichzeitig auch als Beruf ausüben zu können und überdies Zeit für seine Familie zu finden. Und das geniesst er in vollen Zügen.

 

 

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Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 03. Dezember 2010 um 10:51 Uhr
 

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