Im Tss-Blog schreiben Tssemerinnen oder Tssemer ber Tss oder darber, was sie in Tss beschftigt. Jede Woche erscheint ein neuer Beitrag, jeden Monat schreibt einen neue Autorin, ein neuer Autor.

Alles in Butter?
Geschrieben von: Marion Eckert-Krause   
Dienstag, den 08. November 2011 um 00:00 Uhr
Ja, so ziemlich alles in Butter und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Seit drei Wochen bin ich in einem Studienprogramm und darf Butter essen, d.h. ich darf kein anderes Fett als Butter zu mir nehmen - eine spezielle, garantiert aus Schweizer Milchwirtschaft von Schweizer Khen, die auf Schweizer Wiesen Schweizer Gras fressen durften. Und das ist gut so, denn neben der Studie besteht das Interesse der heimischen Milchbauern und Landwirtschaft, dass regionale Produkte vom Verbraucher gekauft werden. Die Butter ist super. Doch wie sagt schon Paracelsus: "Die Menge macht das Ding zum Gift".
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Geschrieben von: Marion Eckert-Krause   
Dienstag, den 01. November 2011 um 00:00 Uhr
Tss ist schn, Tss ist interessant, Tss ist spannend! Seit einem halben Jahr durchquere ich das Quartier Tss-Dorf, um zur Arbeit zu kommen, Sport zu treiben und einzukaufen und seit kurzem engagiere ich mich im Quartierverein Tss-Dorf. Mein "Migrationshintergrund" ist Deutschland. Die Schweiz kannte ich vom Skifahren und vom Tennis mit Roger Federer. Die Uhren sind berhmt und die gute Schoggi, wie auch das Raclette und natrlich die Berge, die Wlder, die Seen und Flsse. Die Schweizer Mentalitt hat mich immer fasziniert und deshalb freue ich mich, hier zu sein und ein bisschen mitwirken zu drfen. Dass meine Wiege in Deutschland stand, verrt das erste Wort, das meinen Mund verlsst - absolut dialektfrei. Doch ich habe mich nun schon mal getraut in schwiitzertttsch zu trumen. Meine Kollegen hoffen sehr, es bleibt noch lange beim Trumen, denn meine Aussprache klingt ziemlich norddeutsch. Ich be im Stillen weiter. "Angekommen" bin ich allerdings schon hier in Winterthur und das in so kurzer Zeit. Die "Ausschaffungskampagne" habe ich gelernt, gilt auch nicht Menschen wie mir... wem aber dann? Den Postkasten vollgestopft mit "schwarzer Stiefel-Werbung" fand ich schon befremdlich, zumal mit meiner historisch geprgten Vergangenheit. Da werden zu den Erzhlungen meiner Grosseltern und Eltern ziemlich rabenschwarze Erinnerungen geweckt, was mir -ohne beteiligt gewesen zu sein- noch immer Schauer ber den Rcken jagt.
Komisch angeschaut wurde ich allerdings von einigen, denen ich erzhlte, dass ich in Tss wohne. Ich lernte, dass es einige Brennpunkte gibt, die der Lebensqualitt abtrglich sein sollen. Aha! Und ich wurde gefragt, warum ich denn nicht in den besseren Wohnvierteln der Stadt eine Wohnung genommen habe.
So! Ich finde, ich habe es wunderbar getroffen, denn fr mich ist eine exzellente Wohnlage da, wo ich mich wohlfhle und gern bin. Und hier bin ich gern. Die Menschen, mit denen ich zusammen im Viertel lebe, sind nett und zuvorkommend. Sie sind offen und interessiert. Fr mich ist das wichtig. Wichtiger als "Rotlichtmilieu, verkehrstrchtige Zrcherstrasse und hoher Auslnderanteil" - so ungefhr wird Tss nmlich von aussen gesehen und bekommt -zack - seinen Stempel aufgedrckt.
Mich hat das gefuchst und so kam mir die Info sehr recht, dass der Quartierverein Tss-Dorf Verstrkung im Vorstand suchte. Mein "Kmpferherz" schlug gleich etwas schneller, als ich im Sommer Kontakt aufnahm. Rosmarie Peter, die Prsidentin des Quartiervereins Tss-Dorf, klrte mich bei unserem ersten Treffen auf, dass ich gar nicht in Tss wohne, sondern im Quartier Eichliacker und hiess mich herzlich willkommen. Das hat mich ehrlich gefreut und auch - allen Unkenrufen zum Trotz - die wirklich schnen und idyllischen Ecken, die es im Quartier zu entdecken gibt. Die diversen Brennpunkte hat sie mir gezeigt und erlutert wie auch die Anstrengungen im Rahmen der Imagepflege.
Ja, ich will dabei sein und hoffe, dass wir viele Tssemerinnen und Tssemer aktivieren knnen, uns bei unserer ehrenamtlichen Arbeit fr "unser aller Wohn-Mittelpunkt" zu untersttzen - Tss!
Allen Blog-LeserInnen wnsche ich nun einen guten Start in den November.
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Marion Eckert-Krause,
von Deutschland ber sterreich und Liechtenstein in die Schweiz gekommen, seit Mai 2011 im Eichliacker wohnend.

 
Geschrieben von: Werner Frei   
Mittwoch, den 19. Oktober 2011 um 00:00 Uhr

Gleich zweimal wurde gestern im Landboten das Dttnau erwhnt. Gross aufgemacht war die Geschichte mit der neuen berbauung, dem sogenannten Wohnriegel; einige Seiten spter, in einem Artikel ber die Quartierzeitungen Winterthurs, wird das baldige Ende der Dttnauer Quartierzeitung angekndigt. Bis vor kurzer Zeit war mir nicht einmal bekannt, dass es ein eigenes Dttnauer Quartierblatt gibt, ich hatte immer geglaubt, auch das Dttnau sei mit dem Tssemer genau so bedient wie etwa das Eichliacker oder das Ngelsee-Quartier.

Es ist wahrscheinlich schon so, dass das Dttnau ein Eigenleben fhrt, ein bescheidenes zwar, so ohne Einkaufsmglichkeiten und Beizen. Frs Einkaufen so der Eindruck - fhrt man mit dem Auto ins Zentrum Tss oder gerade weiter in den Aldi oder ins Lokwerk. Es kommt mir auch in den Sinn, was mir ein alter Dttnauer - er lebt inzwischen altersbedingt nicht mehr dort erzhlt hat. Er hat sich allerdings nicht sehr schmeichelhaft ber seine Mitbewohner geussert, er hat erzhlt vom Widerstand der Hslibewohner gegen ein Bauprojekt einer Baugenossenschaft, von Egoismus und Fremdenfeindlichkeit, von Ausgrenzung gegenber dem benachbarten Steig-Quartier. Als Aussenstehender masse ich mir darber natrlich kein Urteil an. Was mich aber beim Aufstand gegen den Wohnriegel schon etwas irritiert: Da wurden jetzt jahrelang Wiese um Wiese mit allerhand Kistchen und Kisten berstellt, es wurde gebaut auf Teufel komm raus und die architektonische Qualitt ist - vorsichtig ausgedrckt - doch sehr unterschiedlich. Und pltzlich kommt offensichtlich das kollektive Gefhl auf Wir sind komplett, es sind nun alle da. Wre der Widerstand gegen ein Projekt mit 82 Einfamilienhsli auch so vehement ausgefallen? Wer hilft mir, die DttnauerInnen zu verstehen?

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Werner Frei,
aufgewachsen im Tssfeld,
wohnt seit 1992 im Eichliacker

 
Hallo Nachbarn
Geschrieben von: Werner Frei   
Mittwoch, den 26. Oktober 2011 um 00:00 Uhr

Das Haus in der Nhe wurde renoviert, der Garten neu gestaltet, ber Monate hinweg waren immer Handwerker zu Gange. Etwa an drei Stellen am Gartenzaun des Hauses hingen letzte Woche pltzlich kleine Plakate, so wie sie fr vermisste Bsis immer wieder aufgehngt werden. Bei genaurem Hinsehen las ich, dass es hier nicht um abgngige Hauskatzen ging, hier wurden die Nachbarn zum Abschluss des Umbaus zu einem Apro eingeladen, zur Hausruke wie es traditionell heisst. Eine schner Brauch und eine heute nicht selbstverstndlichen Geste.

Auch letzte Woche lag ein Couvert des Quartiervereins im Briefkasten mit der Einladung, ein Adventsfenster zu gestalten. Verschiedene Quartierbewohnerinnen und Bewohner schmcken und beleuchten ein Fenster, auf dass sich die Nachbarn und und die Vorbergehenden an den kalten Winterabenden daran erfreuen. Jedes Fenster ist einem Tag der Adventszeit zugeordnet und wird an diesem Tag erstmals gezeigt. Einige der Gestaltenden sind nicht nur kreativ, sie sind auch noch sehr grosszgig und laden am ihrem Fenster zugeordneten Tag zu einer eigentlichen Vernissage, teilweise im Freien, teilweise in der jeweiligen Wohnung.

Beide Bruche - und hnliche wie etwa Strassenfeste - sind in Tss in verschiedenen Quartieren lebendig und tragen erheblich zur Lebensqualitt bei. Wenn man sich einmal kennengelernt hat, dann fasst man auch vertrauen, wagt man um Hilfe zu bitten, bietet man Untersttzung an. Wenn man sich kennengelernt hat, muss man sich noch nicht lieben, aber man kann auch Schwierigkeiten ansprechen und Probleme lsen, ohne dass es zu gehssigem Streit fhrt. Das Kennenlernen ist der erste Schritt zu einer friedlichen und vertrauensvollen Nachbarschaft. Ein Dank deshalb an alle, welche dies Bruche am Leben erhalten.

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Werner Frei,
aufgewachsen im Tssfeld,
wohnt seit 1992 im Eichliacker

 
Wahlkampf
Geschrieben von: Werner Frei   
Dienstag, den 11. Oktober 2011 um 00:00 Uhr

In den letzten Wochen war ich oft in der lndlichen Umgebung Winterthurs unterwegs, etwa im Tsstal. Schon bevor bei uns in der Stadt die Kandidaten von den Plakatwnden lchelten, wuchsen auf dem Land vor Scheunen und Grten, auf Wiesen und ckern Plakatstnder en masse; man htte meinen knnen es gbe dafr Subventionen. Meist zeigten die Plakate Werbung fr die Partei mit dem fetten Snneli und den schwarzen Stiefeln, einige auch fr andere brgerlichen Parteien und ganz ganz selten fand sich auch ein roter oder grner Aussenseiter.

"Was denen recht ist sei mir nicht ganz billig" dachte ich und besorgte auch einen Plakatstnder. Wenn schon auf dem Land die eine Partei dominiert so soll in der Stadt, in Tss entgegengehalten werden, nicht umsonst sprach man schliesslich frher vom roten Tss. Ich bestckte also den Plakatstnder mit Plakaten meiner bevorzugten Partei und stellte ihn an der Hauswand bereit, um ihn am folgenden Tag in unseren Vorgarten zu stellen.

An diesem Abend organisierte der Kulturstreuer im Gterschuppen "Tss rockt" mit Bands aus dem Quartier. Wir strkten uns zuerst im "Grnen Hund", es war gerade noch warm genug, um im Freien zu essen und wir genossen das ausgezeichnete Men unter den Platanen vor dem ehemaligen Grenzhof. Dann schlenderten wir zum Gterschuppen um einige Takte Musik zu hren, blieben dann aber bei guter Musik und netten Leuten aus dem Quartier bis in den spten Abend dort sitzen.

Unsere gute Laune erlosch bei der Rckkehr nach Hause jh: Irgendwelche Idioten hatten nicht nur meinen Plakatstnder geklaut sondern auch noch gerade unseren Briefkasten zerstrt. Dass dies nicht der erste Vorfall dieser Art war, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil, wir beginnen die Vorflle wirklich persnlich zu nehmen, offensichtlich gibt es Leute, welche bereits so weit sind, dass sie mit Gewalt gegen diejenigen vorgehen, welche sie nicht als "echte Schweizer" betrachten.

plakat2Trotz einigen Bedenken beschlossen wir, nicht klein beizugeben, die feigen Gewalttter sollten keinen Erfolg verbuchen knnen. Wir stellten wieder einen Plakatstnder auf und hissten ein neues Plakat.

Einige Tage spter liess die SBB am Bahnbord Gebsch und Gras schneiden und bei der Dammbrcke wurde auf halber Hhe der gestohlene Plakatstnder sichtbar. Wir bargen das leicht ldierte Teil (siehe Foto), die Briefkastentre hingegen bleibt verschwunden.

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Werner Frei,
aufgewachsen im Tssfeld,
wohnt seit 1992 im Eichliacker

 
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