Scheiden tut so weh
Töss-Blog
Geschrieben von: Monika Imhof   
Dienstag, den 19. Juli 2011 um 00:00 Uhr
In der letzten Schulwoche vor den Ferien wage ich mich an ein kontrovers diskutiertes Thema: die Schule.

Auf der einen Seite habe ich ein Kind zuhause, das nach sechs Jahren Primarschule in Töss sehr traurig ist, nach den Sommerferien nicht mehr hier in die Schule gehen zu dürfen. Sie habe eine so tolle, coole Klasse gehabt, mit ihren Freundinnen, aber auch den Jungs sei es einfach megalässig gewesen. Meine Trauer hält sich in Grenzen, denn mir haben drei Jahre nicht gereicht, um Muhammed von Mohammed und diesen wiederum von Muhammad zu unterscheiden. Jetzt muss ich nicht mehr, denn im Gymnasium gilt es nur Tobias von Luca und diesen von Stefan zu unterscheiden. Das schaffe ich ganz knapp.

Auf der anderen Seite höre ich von Eltern, die von Töss wegziehen, weil man anscheinend vergessen hatte, das einzige deutschsprachige Schweizer Kind in der Klasse zu integrieren. Auch in der Presse ist im Moment viel über Migration und Schule zu lesen. Neugierig habe ich auf der Internetseite des Volksschulamtes geschaut, was denn die Statistiken so hergeben, und sie stellen Töss kein gutes Zeugnis aus: es wird mit der Mittelschulquote gemessen, d.h. wie viele Kinder aus Töss schaffen es in eine Mittelschule, in Prozenten ausgedrückt.

Aber was bedeutet das? Die verharmlosenden, für Multikulti schwärmenden Sozialpädagogen, die mir weismachen wollen, wie wunderbar es ist, fremde Kulturen zu erfahren, um dann mit der Geburt des ersten Kindes von Töss wegzuziehen, sind mir genauso ein Gräuel, wie die Eltern, die stur behaupten, dass kann nicht gut gehen, wenn es über 50 % Kinder hat, die zu Hause eine andere Sprache sprechen. Es kann sehr wohl gut gehen, in der Klasse meiner Tochter waren es mehr als 50%.

Nach langen und intensiven Diskussionen über Sinn und Unsinn von Statistiken bin ich zu folgendem Schluss gekommen: Meine Erwartung an die Schule in Töss ist, dass es ihr gelingt, das Potential, das in den Kindern steckt, zu wecken und zu fördern. Wir sind in Zukunft auf alle Potentiale angewiesen, welche Sprache zu Hause gesprochen wurde, ist statistisch dann nicht mehr relevant.
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Monika Imhof,
in Töss wohnhaft seit 3. April 1993,
Präsidentin Tösslobby