Wiedersehen mit den Schweizermachern
Geschrieben von: Werner Frei   
Dienstag, den 04. Oktober 2011 um 00:00 Uhr

Wer am letzten Samstagabend in Tss ausgehen wollte, hatte die Qual der Wahl. Allein fr meine Frau und mich standen drei Anlsse zur Diskussion: In der refomierten Kirche wurde ein Chorkonzert mit den schnsten Liedern von Simon und Garfunkel gegeben, im GZ Bahnhof Tss lud der Quartierverein Eichliacker zum Spielabend fr Erwachsene und im Gterschuppen wurde im Rahmen der Immigrationsausstellung der Film "Die Schweizermacher" gezeigt.
So entschieden wir uns, zuerst einmal im Restaurant Bahnhof zu speisen, genossen den Tafelspitz (die sterreichische Variante des Siedfleisches) und teilten sogar noch eine Portion Kaiserschmarrn zur Nachspeise und waren bezglich des Abendprogramms immer noch nicht schlssig.
Zum Glck wurde uns die Entscheidung abgenommen durch Familienmitglieder, welche wir vor dem Bahnhof trafen und die entschlossen dem Gterschuppen zustrebten. Wir schlossen uns an und bereuten es nicht.
Wer "Die Schweizermacher" mit Emil Steinberger und Walo Lnd noch nie gesehen hat, sollte das bei nchster Gelegenheit nachholen. Aber auch wir, die wir den Film bei seinem Erscheinen 1978 bereits gesehen hatten, amsierten uns noch einmal kstlich ber die Geschichte der Eingrgerungsbeamten der Fremdenpolizei, welche das Leben der Einbrgerungswilligen bis ins kleinste Detail unter die Lupe nahmen.
Nachdem sich der Gterschuppen vom Kino zur Bar verwandelt hatte, konnte man nochmals ber die komischten Szenen gemeinsam lachen, aber auch Geschichten aus der Wirklichkeit erzhlen, welche leider - anders als der Film oft nicht zum Happy End fhrten. Und bei allen Unterschieden zur Schweiz vor 25 Jahren, wie sie der Film zeigte, wurde uns auch bewusst, dass die Ablehnung und das Misstrauen, das damals den Fremden entgegengebracht wurde nicht kleiner geworden ist  - im Gegenteil ist man geneigt zu sagen, wenn man die angsteinflssenden Plakate und Inserate gegen "Masseneinwanderung" denkt.
Da nimmt doch die Ausstellung im Gterschuppen eine wohltuenden Gegenposition ein, indem sie sich sachlich - nicht romantisch - mit der Migration und den Menschen dahinter auseinandersetzt. Noch bis zum Donnerstag, 6. Oktober dauert die Ausstellung samt Rahmenprogramm.

PS Auch ein Dilemma wie ich es eingangs geschildert habe wird vielleicht nchstes Jahr seltener; die Tsslobby mchte Vereinen und Institutionen helfen durch gemeinsame Planung Terminkollisionen zu vermeiden.

fr_schreiben_100

Werner Frei,
aufgewachsen im Tssfeld,
wohnt seit 1992 im Eichliacker