Wahlkampf
Geschrieben von: Werner Frei   
Dienstag, den 11. Oktober 2011 um 00:00 Uhr

In den letzten Wochen war ich oft in der lndlichen Umgebung Winterthurs unterwegs, etwa im Tsstal. Schon bevor bei uns in der Stadt die Kandidaten von den Plakatwnden lchelten, wuchsen auf dem Land vor Scheunen und Grten, auf Wiesen und ckern Plakatstnder en masse; man htte meinen knnen es gbe dafr Subventionen. Meist zeigten die Plakate Werbung fr die Partei mit dem fetten Snneli und den schwarzen Stiefeln, einige auch fr andere brgerlichen Parteien und ganz ganz selten fand sich auch ein roter oder grner Aussenseiter.

"Was denen recht ist sei mir nicht ganz billig" dachte ich und besorgte auch einen Plakatstnder. Wenn schon auf dem Land die eine Partei dominiert so soll in der Stadt, in Tss entgegengehalten werden, nicht umsonst sprach man schliesslich frher vom roten Tss. Ich bestckte also den Plakatstnder mit Plakaten meiner bevorzugten Partei und stellte ihn an der Hauswand bereit, um ihn am folgenden Tag in unseren Vorgarten zu stellen.

An diesem Abend organisierte der Kulturstreuer im Gterschuppen "Tss rockt" mit Bands aus dem Quartier. Wir strkten uns zuerst im "Grnen Hund", es war gerade noch warm genug, um im Freien zu essen und wir genossen das ausgezeichnete Men unter den Platanen vor dem ehemaligen Grenzhof. Dann schlenderten wir zum Gterschuppen um einige Takte Musik zu hren, blieben dann aber bei guter Musik und netten Leuten aus dem Quartier bis in den spten Abend dort sitzen.

Unsere gute Laune erlosch bei der Rckkehr nach Hause jh: Irgendwelche Idioten hatten nicht nur meinen Plakatstnder geklaut sondern auch noch gerade unseren Briefkasten zerstrt. Dass dies nicht der erste Vorfall dieser Art war, macht die Sache nicht besser. Im Gegenteil, wir beginnen die Vorflle wirklich persnlich zu nehmen, offensichtlich gibt es Leute, welche bereits so weit sind, dass sie mit Gewalt gegen diejenigen vorgehen, welche sie nicht als "echte Schweizer" betrachten.

plakat2Trotz einigen Bedenken beschlossen wir, nicht klein beizugeben, die feigen Gewalttter sollten keinen Erfolg verbuchen knnen. Wir stellten wieder einen Plakatstnder auf und hissten ein neues Plakat.

Einige Tage spter liess die SBB am Bahnbord Gebsch und Gras schneiden und bei der Dammbrcke wurde auf halber Hhe der gestohlene Plakatstnder sichtbar. Wir bargen das leicht ldierte Teil (siehe Foto), die Briefkastentre hingegen bleibt verschwunden.

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Werner Frei,
aufgewachsen im Tssfeld,
wohnt seit 1992 im Eichliacker