Das fremde Dättnau
Töss-Blog
Geschrieben von: Werner Frei   
Mittwoch, den 19. Oktober 2011 um 00:00 Uhr

Gleich zweimal wurde gestern im Landboten das Dättnau erwähnt. Gross aufgemacht war die Geschichte mit der neuen Überbauung, dem sogenannten „Wohnriegel“; einige Seiten später, in einem Artikel über die Quartierzeitungen Winterthurs, wird das baldige Ende der Dättnauer Quartierzeitung angekündigt. Bis vor kurzer Zeit war mir nicht einmal bekannt, dass es ein eigenes Dättnauer Quartierblatt gibt, ich hatte immer geglaubt, auch das Dättnau sei mit dem „Tössemer“ genau so bedient wie etwa das Eichliacker oder das Nägelsee-Quartier.

Es ist wahrscheinlich schon so, dass das Dättnau ein Eigenleben führt, ein bescheidenes zwar, so ohne Einkaufsmöglichkeiten und Beizen. Fürs Einkaufen – so der Eindruck - fährt man mit dem Auto ins Zentrum Töss oder gerade weiter in den Aldi oder ins Lokwerk. Es kommt mir auch in den Sinn, was mir ein alter Dättnauer - er lebt inzwischen altersbedingt nicht mehr dort – erzählt hat. Er hat sich allerdings nicht sehr schmeichelhaft über seine Mitbewohner geäussert, er hat erzählt vom Widerstand der Hüslibewohner gegen ein Bauprojekt einer Baugenossenschaft, von Egoismus und Fremdenfeindlichkeit, von Ausgrenzung gegenüber dem benachbarten Steig-Quartier. Als Aussenstehender masse ich mir darüber natürlich kein Urteil an. Was mich aber beim Aufstand gegen den „Wohnriegel“ schon etwas irritiert: Da wurden jetzt jahrelang Wiese um Wiese mit allerhand Kistchen und Kisten überstellt, es wurde gebaut auf Teufel komm raus und die architektonische Qualität ist - vorsichtig ausgedrückt - doch sehr unterschiedlich. Und plötzlich kommt offensichtlich das kollektive Gefühl auf “Wir sind komplett, es sind nun alle da“. Wäre der Widerstand gegen ein Projekt mit 82 Einfamilienhüsli auch so vehement ausgefallen? Wer hilft mir, die DättnauerInnen zu verstehen?

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Werner Frei,
aufgewachsen im Tössfeld,
wohnt seit 1992 im Eichliacker