Hallo Nachbarn
Töss-Blog
Geschrieben von: Werner Frei   
Mittwoch, den 26. Oktober 2011 um 00:00 Uhr

Das Haus in der Nähe wurde renoviert, der Garten neu gestaltet, über Monate hinweg waren immer Handwerker zu Gange. Etwa an drei Stellen am Gartenzaun des Hauses hingen letzte Woche plötzlich kleine Plakate, so wie sie für vermisste Büsis immer wieder aufgehängt werden. Bei genaurem Hinsehen las ich, dass es hier nicht um abgängige Hauskatzen ging, hier wurden die Nachbarn zum Abschluss des Umbaus zu einem Apéro eingeladen, zur Hausräuke wie es traditionell heisst. Eine schöner Brauch und eine heute nicht selbstverständlichen Geste.

Auch letzte Woche lag ein Couvert des Quartiervereins im Briefkasten mit der Einladung, ein Adventsfenster zu gestalten. Verschiedene Quartierbewohnerinnen und Bewohner schmücken und beleuchten ein Fenster, auf dass sich die Nachbarn und und die Vorübergehenden an den kalten Winterabenden daran erfreuen. Jedes Fenster ist einem Tag der Adventszeit zugeordnet und wird an diesem Tag erstmals gezeigt. Einige der Gestaltenden sind nicht nur kreativ, sie sind auch noch sehr grosszügig und laden am ihrem Fenster zugeordneten Tag zu einer eigentlichen Vernissage, teilweise im Freien, teilweise in der jeweiligen Wohnung.

Beide Bräuche - und ähnliche wie etwa Strassenfeste - sind in Töss in verschiedenen Quartieren lebendig und tragen erheblich zur Lebensqualität bei. Wenn man sich einmal kennengelernt hat, dann fasst man auch vertrauen, wagt man um Hilfe zu bitten, bietet man Unterstützung an. Wenn man sich kennengelernt hat, muss man sich noch nicht lieben, aber man kann auch Schwierigkeiten ansprechen und Probleme lösen, ohne dass es zu gehässigem Streit führt. Das Kennenlernen ist der erste Schritt zu einer friedlichen und vertrauensvollen Nachbarschaft. Ein Dank deshalb an alle, welche dies Bräuche am Leben erhalten.

fr_schreiben_100

Werner Frei,
aufgewachsen im Tössfeld,
wohnt seit 1992 im Eichliacker