Geschrieben von: Marion Eckert-Krause   
Dienstag, den 01. November 2011 um 00:00 Uhr
Tss ist schn, Tss ist interessant, Tss ist spannend! Seit einem halben Jahr durchquere ich das Quartier Tss-Dorf, um zur Arbeit zu kommen, Sport zu treiben und einzukaufen und seit kurzem engagiere ich mich im Quartierverein Tss-Dorf. Mein "Migrationshintergrund" ist Deutschland. Die Schweiz kannte ich vom Skifahren und vom Tennis mit Roger Federer. Die Uhren sind berhmt und die gute Schoggi, wie auch das Raclette und natrlich die Berge, die Wlder, die Seen und Flsse. Die Schweizer Mentalitt hat mich immer fasziniert und deshalb freue ich mich, hier zu sein und ein bisschen mitwirken zu drfen. Dass meine Wiege in Deutschland stand, verrt das erste Wort, das meinen Mund verlsst - absolut dialektfrei. Doch ich habe mich nun schon mal getraut in schwiitzertttsch zu trumen. Meine Kollegen hoffen sehr, es bleibt noch lange beim Trumen, denn meine Aussprache klingt ziemlich norddeutsch. Ich be im Stillen weiter. "Angekommen" bin ich allerdings schon hier in Winterthur und das in so kurzer Zeit. Die "Ausschaffungskampagne" habe ich gelernt, gilt auch nicht Menschen wie mir... wem aber dann? Den Postkasten vollgestopft mit "schwarzer Stiefel-Werbung" fand ich schon befremdlich, zumal mit meiner historisch geprgten Vergangenheit. Da werden zu den Erzhlungen meiner Grosseltern und Eltern ziemlich rabenschwarze Erinnerungen geweckt, was mir -ohne beteiligt gewesen zu sein- noch immer Schauer ber den Rcken jagt.
Komisch angeschaut wurde ich allerdings von einigen, denen ich erzhlte, dass ich in Tss wohne. Ich lernte, dass es einige Brennpunkte gibt, die der Lebensqualitt abtrglich sein sollen. Aha! Und ich wurde gefragt, warum ich denn nicht in den besseren Wohnvierteln der Stadt eine Wohnung genommen habe.
So! Ich finde, ich habe es wunderbar getroffen, denn fr mich ist eine exzellente Wohnlage da, wo ich mich wohlfhle und gern bin. Und hier bin ich gern. Die Menschen, mit denen ich zusammen im Viertel lebe, sind nett und zuvorkommend. Sie sind offen und interessiert. Fr mich ist das wichtig. Wichtiger als "Rotlichtmilieu, verkehrstrchtige Zrcherstrasse und hoher Auslnderanteil" - so ungefhr wird Tss nmlich von aussen gesehen und bekommt -zack - seinen Stempel aufgedrckt.
Mich hat das gefuchst und so kam mir die Info sehr recht, dass der Quartierverein Tss-Dorf Verstrkung im Vorstand suchte. Mein "Kmpferherz" schlug gleich etwas schneller, als ich im Sommer Kontakt aufnahm. Rosmarie Peter, die Prsidentin des Quartiervereins Tss-Dorf, klrte mich bei unserem ersten Treffen auf, dass ich gar nicht in Tss wohne, sondern im Quartier Eichliacker und hiess mich herzlich willkommen. Das hat mich ehrlich gefreut und auch - allen Unkenrufen zum Trotz - die wirklich schnen und idyllischen Ecken, die es im Quartier zu entdecken gibt. Die diversen Brennpunkte hat sie mir gezeigt und erlutert wie auch die Anstrengungen im Rahmen der Imagepflege.
Ja, ich will dabei sein und hoffe, dass wir viele Tssemerinnen und Tssemer aktivieren knnen, uns bei unserer ehrenamtlichen Arbeit fr "unser aller Wohn-Mittelpunkt" zu untersttzen - Tss!
Allen Blog-LeserInnen wnsche ich nun einen guten Start in den November.
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Marion Eckert-Krause,
von Deutschland ber sterreich und Liechtenstein in die Schweiz gekommen, seit Mai 2011 im Eichliacker wohnend.