Alles in Butter?
Töss-Blog
Geschrieben von: Marion Eckert-Krause   
Dienstag, den 08. November 2011 um 00:00 Uhr
Ja, so ziemlich alles in Butter und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Seit drei Wochen bin ich in einem Studienprogramm und darf Butter essen, d.h. ich darf kein anderes Fett als Butter zu mir nehmen - eine spezielle, garantiert aus Schweizer Milchwirtschaft von Schweizer Kühen, die auf Schweizer Wiesen Schweizer Gras fressen durften. Und das ist gut so, denn neben der Studie besteht das Interesse der heimischen Milchbauern und Landwirtschaft, dass regionale Produkte vom Verbraucher gekauft werden. Die Butter ist super. Doch wie sagt schon Paracelsus: "Die Menge macht das Ding zum Gift". Und so langsam ist nicht alles nur in Butter – Gemüse, Fisch, Fleisch, Brotwürfel, Eier – ich bin Butter.
Ernährung ist etwas ungeheuer Wichtiges, das weiss jeder von uns. Nimmt man vom Falschen zu viel, nimmt man zu, nimmt man vom Richtigen zu viel, nimmt man auch zu, nimmt man von allem, was eigentlich schlank machen sollte zu viel, nimmt man ebenfalls zu. Macht man mehr Sport, hat man mehr Hunger, nimmt man zu statt ab – welch ein Teufelskreislauf. Und das gerade jetzt, wo die Weihnachtsbäckerei mit Butter ein besonderes Highlight in der immer besinnlicher werdenden Zeit ist.
Also muss man raus, sich bewegen, Sport treiben, Treppe statt Lift und dergleichen mehr an Alltagsaktivtäten einbauen, um die gesamte aufgenommene Energie wieder in den Kreislauf zu bringen. Kreislauf genau - und das mit Schwung. Fällt echt schwer im November. Morgens dunkel, abends dunkel mittags düppig. Doch was soll‘s, bevor mich die Butter anderweitig schwer macht, renne ich. Am Rieter vorbei, an die Töss, durch den Eschenwald und das ist einfach sagenhaft schön. Reiher erheben sich morgens von, wenn ich an ihnen vorbeistampfe. Stockenten fliegen zu dritt oder baden zu fünft, ein paar tapfere HundehalterInnen lassen ihre Lieblinge laufen, Wasserdampfsäulen steigen von der Wasseroberfläche in die kalte Luft oder Nebel wabert wie Zuckerwatte im Flussbett  - und da ist dann noch die Waldarbeit.
Waldarbeit – jetzt? Ja, denn dem Laub muss nicht nur in Vorgärten zu Leibe gerückt werden, nein auch im Wald. So durchzog letzthin ein erst sanftes, dann stärker werdendes Geräusch das kleine Waldstück um den Fussballplatz. Im Waldweg stand, mit genau so einer gelben Warnweste, wie ich sie derzeit trage, ein Waldarbeiter. Leicht gebückt und hoch konzentriert am Waldrand, das Laub wegpustend. Ja, richtig. Laub im Wald wegpusten. Nicht mit Gartengerät und Handarbeit, nein mit Lärm und Bewegungsarmut. Ich frage mich, wie viel Sinn das gerade im Herbst macht. Und will man wirklich jeden Weg im Wald frei vom rutschigen Laub halten? Ist doch toll, wenn das Laub unter den Füssen raschelt. Zumindest so lange bis die Füsse durch das Laub schlurfend, einen Stein erwischen, und der Rest unkoordiniert mit den Armen rudernd, einigermassen elegant versucht, aufrecht zu bleiben - dann wäre eine laubfreie Zone schon schön.
Wach bin ich jedenfalls und mein Frühstück wartet. Mit „Studien“butter, Honig, Semmeli und Kaffee  lasse ich es mir gutgehen. Eigentlich ist doch alles in Butter – hier in Töss.
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Marion Eckert-Krause,
von Deutschland über Österreich und Liechtenstein in die Schweiz gekommen, seit Mai 2011 im Eichliacker wohnend.