Licht im Dunklen – November in Töss
Töss-Blog
Geschrieben von: Marion Eckert-Krause   
Dienstag, den 15. November 2011 um 00:00 Uhr
Der November als nun mal dunkelster Monat im Jahr verlangt einem eine Menge Eigenmotivation, Mut und Glück ab. Die Menschen eilen durch die Strassen – dunkel vermummt mit hochgezogenen Schultern. Hunde werden ausgeführt, die Leinen dunkel, die Leinen lang -  für Radfahrer ein Albtraum. Für manchen Autofahrer sind dann wiederum die Radfahrer ein Albtraum, wenn diese recht lichtarm und dunkel gekleidet entgegen aller Verkehrsregeln unterwegs sind.
Nicht so in Töss. Also nicht ganz so. Die dunklen Gestalten gibt es schon auch, doch mehr noch die, die sich der Dunkelheit und Gefahren bewusst sind. Nie sind mir so viele Radfahrer begegnet, die illuminiert unterwegs waren und auch Hundehalter,  die ihre Lieblinge an buntblinkenden Leinen ausführen.  
Vorsicht und Achtsamkeit sind in dieser Zeit gefragt. Und vielleicht ist es gar nicht so schlecht, bewusst zu entschleunigen und besonnen durch die dunkle Welt zu gehen oder in Ruhe  die Winterthurer Zeitung zu lesen. Da lernt man dann von Nambo Banao, dass sich afrikanische Migranten nicht so wohl fühlen, weil die Welt aus der sie gegangen sind, so ganz anders ist, als die in die sie kommen. Ja, das erhellt einem die globale Gedankenwelt. Würde ich nach Afrika gehen, würde ich dann die Schweiz oder gar Töss erwarten?  
Und man lernt, dass jede Frau an der Stange turnen kann (Pole Dance). Jö, wie interessant. Was denken sich die Redakteure eigentlich dabei? Dunkle Phantasien in dunklen Zeiten. Möglich, dass jede Frau, die will, das auch lernen kann, aber warum eigentlich nur Frauen.  Vertiefen wir das nicht weiter, die nächste Info wartet und schon wird es einem leicht ums Herz. Es geht ums Abnehmen, um die Gesundheit und die ultimativen Rezepte für die ewige Jugend und die Schlankheit ohne Jojo- Effekt. Die Nahrungsmittelergänzungsbranche  schafft das sogar ohne frisches Obst und Gemüse – schliesslich ist es berufstätigen Menschen nicht zuzumuten, einen knackigen Apfel zu essen. Warum auch, wenn die  Präparate mit diversen Zusätzen alles versprechen. Nirgends steht, dass sie nur das Geld aus der Tasche des Verbrauchers in die Tasche des Herstellers spülen. Wieso gibt es eigentlich nicht nur schlanke und gesunde Menschen… wieso brummt diese Branche immer noch? Da liegt die Wahrheit im Dunklen verborgen und passt somit zum November.  Und bevor ich schlechte Laune bekomme, weil die 2. Säule unserer Altersvorsorge geschröpft wird und die Krankenkassenbeiträge steigen, da freue ich mich lieber über die Ambitionen in unseren Quartieren. Wir wollen enger zusammen arbeiten und Synergien nutzen, uns treffen und kennenlernen. Wärme und Licht im zwischenmenschlichen Bereich ist doch durch nichts zu ersetzen – oder? Und bald leuchten dazu wieder die Adventsfenster.
Jetzt zünde ich eine Kerze an, komponiere  einen feinen  Salat „Feng Shui“ - grüne Blattsalate mit Mais, Tomate, Karotte  und  Paprika und was sonst noch (ausser nur gesund zu sein) hell ist und gut schmeckt, werden verwendet. Dazu genehmige ich mir ein herzfreundliches Glas des roten Weines und geniesse den Abend.   Ob morgen früh wieder die Graureiher auf mich zufliegen, wenn ich an der Töss zwischen dichtem Nebel und vermutlich einer aufgehender Sonne meine Dehnübungen mache. Ist das Leben nicht  erhellend – in Töss?
fr_schreiben_100

Marion Eckert-Krause,
von Deutschland über Österreich und Liechtenstein in die Schweiz gekommen, seit Mai 2011 im Eichliacker wohnend.