Töss – (m)eine Freude
Töss-Blog
Geschrieben von: Marion Eckert-Krause   
Dienstag, den 22. November 2011 um 00:00 Uhr
Ein ums andere Wochenende pendele ich noch nach Feldkirch in Vorarlberg, denn dort jagt meine Katze, und mein Mann, der viel in Deutschland zu tun hat, ist dort ansässig. Er ist Anlaufstelle, wenn unsere Tochter aus Wien kommend, ihre Ferien bei uns verbringt.
Oft ist die Fahrerei richtig Stress. Doch dieses Mal - eine Freude, wirklich – es war so schön die Autobahnausfahrt Töss zu nehmen und zu wissen, dass ich hier richtig daheim bin. Warme Heimatgefühle in kalter Jahreszeit. Warum nicht eine kleine Reise durch Töss? Wie sieht es aus - Begleiten Sie mich auf meiner Zeitreise durch Töss? Dann los!  
Betrachtet man das Tössemer Wappen genau, so sieht man eine in Gold verkürzte rote Spitze mit einem grünem Dreiberg und einem silbernenDoppelkreuz. Dieses Doppelkreuz wurde zu Ehren der Königstochter Elisabeth von Ungarn aufgenommen, die zu Beginn des 14. Jahrhunderts im dominikanischen Frauenkloster Töss lebte.
Das Kloster fiel der Reformation des Kantons Zürich zum Opfer und das Kloster wurde geschlossen. Später - nach der französsichen Revolution – wurde es an Johann Jacob Rieter verkauft. Rieter ist ein Begriff in Töss. Die heute international tätige Maschinenfabrik prägte u.a. Töss. Zeitzeugen dieser Tätigkeiten sind heute noch die Arbeiterwohnungen in Töss-Dorf, die damals erbaut wurden.
Den letzten Teil des Klosters riss man Anfang des 20.Jahrhunderts ab und 1922 wurde die Gemeinde Töss in Winterthur eingemeindet. Kern des alten Töss ist übrigens das
„Chrugeler-Quartier“, das sich hinter dem Zentrum Töss befindet.
Schon früh gab es eine Tramlinie und politische Aktivitäten. Heute wird der ganze Stadtteil durch die stark frequentierte Zürcherstrasse geteilt.  „Töss” befindet sich im Umbruch. Der Rückgang industrieller Tätigkeit mit Unternehmensschliessungen zeigt dies ganz deutlich. Kleinstbetriebe halten sich nur kurz. Die Fluktuation bringt Unruhe. Und dann ist da noch das stetig steigende Angebot des „ältesten Gewerbes der Welt“.
Läuft man offenen Auges durch Töss, fallen einem stark vernachläsigte Liegenschaften auf und man wird das Gefühl nicht los, dass Massnahmen nötig sind, um der Negativspirale Einhalt zu gebieten. Seitens der Stadt  und der Quartiervereine wird einiges auf die Beine gestellt,um die Attraktivität zu steigern. Der Quartierentwicklungsprozess ist in vollem Gange. Gemeinsam will man Lebensqualität mit Nachhaltigkeit erreichen. Deshalb ist die Quartierarbeit wichtig und braucht jeden, der hier wohnt als unterstützende Kraft.
Und  viele Angebote unternauern bereits die Anstrengungen. So befindet sich in Töss das Kulturzentrum „Gaswerk“, die Tössemer Dorfet findet alljährlich zum Ende der Sommerferien statt, ein Naherholungsgebiet lockt die Naturliebhaber nach draussen, und wer es sportlich mag, der kommt ganz sicher auch nicht zu kurz. Dem FC Töss kann man auf dem Sportplatz am Reitplatz zusehen, es gibt Beachvolleyballfelder, ein Schwimmbad, Tennis, um nur ein paar Beispiele herauszugreifen.
Farbe und Lebendigkeit bringt  das “Interkulturelle Töss“, Läden und Geschäfte zeigen deutlich die Vielfalt die multikulturelle Gesellschaft in Töss. Es gibt noch viel zu entdecken hier in Töss. Ich bin neugierig und lade Sie schon jetzt ein, mich wieder begleiten, wenn ich in der Tössemer Historie grabe.
Farbe und Besinnlichkeit werden nun bald die Adventsfenster zeigen, die Töss in vorweihnachtliche Stimmung tauchen werden. Ja, wenn es da einem nicht warm ums Herz wird und Freude aufkommt.
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Marion Eckert-Krause,
von Deutschland über Österreich und Liechtenstein in die Schweiz gekommen, seit Mai 2011 im Eichliacker wohnend.