Was bedeutet Ihnen Weihnachten?
Geschrieben von: Karin Ingold-Wolfensberger   
Dienstag, den 20. Dezember 2011 um 00:00 Uhr
Mit dieser Frage machte ich mich auf den Weg ins Zentrum Tss. Doch bevor ich mich auf die Recherche machte, wollte ich ein Pcklein zur Post bringen. Ich war nicht die Einzige! In dieser Zeit auf der Post Tss etwas erledigen ist keine feine Sache. Nein - es erwartet einen stickige Luft, Wartepltze zwischen Geschenksklimbim und Leimstiften und vor allem fr mich als Kinderwagenschieberin lstig, eine fiese Doppeltre.
Ich whnte ich mich schon glcklich, als ein Mann im besten Alter (ev. ein gebrtiger Tssemer? sicher aber ein tugendhafter Schweizer Brger) knapp vor mir auf die Post zusteuerte. Aber nein, er hielt nicht wie erwartet hinter sich die Tr noch ein bisschen auf sondern liess diese knapp hinter sich zugehen. Etwas konsterniert blieb ich davor stehen.
Drinnen regte sich ein junger Mann - (sicher kein gebrtiger Tssemer - und dennoch wrde man ihm dieses Wohnquartier wohl als eines der ersten zuweisen) sah mich und bahnte sich einen Weg durch die Wartenden um bis zu mir nach draussen zu kommen und mir beide Tren aufzuhalten.
Nun hatte sich also mal wieder meine persnliche Hypothese gefestigt, dass gute Manieren und zwischenmenschliche Herzlichkeit ein Charakterzug ist und nicht von der Nationalitt abhngt.
Die beste mentale Ausgangslage, um in den Geschftern rundum zu erkunden, was den Menschen, welche dort arbeiten, Weihnachten bedeutet.

Beim Kebab liegen Guetzli und Manderindli auf der Theke und trkische Zeitungen neben dem Blick. Als ich etwas unbeholfen - den Wagen hinter mir herziehend - eintrete, werde ich wie gewohnt mit einem Lcheln begrsst.
Meine Frage erstaunt und die Antwort darauf ebenfalls. Nein, ihnen bedeute Weihnachten nicht viel. Die Manderindli seien doch eine nette Geste - sie wrden ja hier Leben und wollen sich anpassen. Ja, doch die eigenen Kinder htten dann auch ganz gerne Geschenke. Also gibt es etwas ganz Kleines. Dass ein paar Tage frei sind, das gefllt ihnen auch.
Im Lebensmittelladen bekommt das Wort familienfreundlich eine ganz neue Bedeutung. Die junge Kassierin strahlt ber das ganze Gesicht, als ein Vater sein Kind auf das Rollband setzt, um die Hnde frei zu bekommen um zu bezahlen. Derweil macht die Kassierin Spsse mit dem kleinen Besucher. Der Mann bezahlt, nimmt auf den einen Arm das Kind und auf den andern die Einkufe.
Auch die Kassierin reagiert erstaunt auf meine Frage. Ihre Antwort ist herzerwrmend.
Sie findet die Weihnachtszeit schn, wennauch ihr dieses Jahr der Schnee etwas fehlt zur Stimmung. Sie wrden Zuhause nicht Weihnachten feiern, doch am 25.12. essen sie immer etwas Spezielles in der Familie. Es sei ja ein Fest der Familien.
Meine letzte Begegnung ist die mit drei Mnnern vor dem Kiosk. Sie wundern sich ebenfalls ber meine Neugierde und zucken mit den Schultern. Der eine wird von seinen Freunden zum Redner bestimmt und muss selbst zuerst seine Zigarette ausdrcken, so viel Gewicht gibt er der Antwort. Ich frage mich, mit welchem Akzent er mir wohl Antworten wird. Konnte ich die drei Mnner nicht klar einer Nationalitt zuordnen.
Weihnachten ist ein Fest per la Famiglia. Ich dopple nach - mchte wissen was denn ihm persnlich Weihnachten bedeute. Seine Antwort: "Eh, Natale e Natale"
So ist es!
Jeder hat seine Tradition fr Weihnachten. Es ist etwas Spezielles. Aber was genau - das braucht man gar nicht unbedingt in Worte zu fassen.
Lassen Sie sich also nichts einreden und feiern Sie wie es ihnen gefllt.
Frohe Weihnachten!

Erst Zuhause merke ich, dass die Begegnung des Mannes im Lebensmittelladen so rein gar nicht in das allgemein bekannte Bild der sdlndischen Kultur passte.
Da fehlte doch eindeutig die Mutter! Doch, die Mutter fehlte nicht!
kariningold

Karin Ingold-Wolfensberger
wohnt seit 2007 in Tss und arbeitet als Lehrerin im Schulhaus Laubegg.

Der Administrator entschuldigt sich fr die versptete Verffentlichung.