Liebe Tössemerin, lieber Tössemer
Töss-Blog
Geschrieben von: Matthias Gfeller   
Mittwoch, den 04. Januar 2012 um 00:00 Uhr

Töss-Blog, Matthias Gfeller

Gerne habe ich "Ja" gesagt zur Anfrage vier Beiträge für den Töss-Blog zu schreiben. aber bald stellte sich dann auch die weitere Frage: Soll oder darf ein derartiger Blog "politisch" sein und wenn "Ja": soll's lokal-, regional-, bundes- oder gar europapolitisch sein? Nun - meiner ganz persönlichen Überzeugung entsprechend, dass eigentlich alles, was mehr als vier bis sechs Leute zusammen diskutieren, vereinbaren oder vorschlagen "politisch" ist - konnte ich die erste Frage leicht mit "Ja beantworten.


Für die zweite Frage, nach der "passenden" politischen Ebene war die Suche nach der ebenfalls passenden Antwort dann schon etwas schwieriger. Ich meine aber auch hier liessen sich eben keine scharfen Grenzen mehr ziehen: Europapolitik und Bundespolitik beispielsweise beeinflusst manchmal direkter, manchmal erst mit Verspätung und eventuell überraschender auch unsere Lebenssituation in Töss. Diese Politiken sind also auch für Töss immer wieder ein Thema!

Daher beginne ich 'mal - so wie ich es als Ingenieur und Raumplaner gelernt hatte mit dem System "vom Groben in's Detail zu Analysieren". Eher vor als nach den Bundesratswahlen hat mich jedenfalls diese Art der parlamentarischen Entscheidfindung nicht kalt gelassen. Die meisten Beteiligten im Parlament zu Bern und wohl auch viele "Einflüsterer" sprachen von Konkordanz, als wäre das ein Gesetz ähnlich der Erdanziehung.

Aber wer kümmerte sich um Fragen wie: Sollten nicht auch für ein Mitglied des Bundesrates allfällige Kündigungen ehrlich und anständig begründet werden? Wer also jemand aus einer Kollegial-Behörde abwählen möchte, der sollte doch eigentlich zuerst eine seriöse Beurteilung der geleisteten Arbeit vornehmen und im Falle begründeter Kritik allenfalls gar eine Bewährungsfrist ansetzen. Ich stelle mit einer gewissen Besorgnis fest, dass in den letzten Monaten viel mehr vom "In-Kauf-nehmen einer eigentlich ungerechtfertigten Kündigung" (=Abwahl) geredet und viel weniger eine faire und umfassende Beurteilung des Geleisteten vorgenommen worden ist.

Aus diesem Grunde bin ich froh, dass unser Bundesparlament schliesslich doch dem verfassungsmässigen Prinzip der Persönlichkeitswahl für die Exekutive den Vorzug gegenüber einem eher verschwommen definierten Konkordanzbegriff gegeben hat. Letztlich wurde so die gute und mutige persönliche Leistung von Eveline Widmer-Schlumpf honoriert und mit einer deutlichen Wiederwahl belohnt. Dass zudem mit Alain Berset eine Person aus einem welschen Kanton mit ausgesprochener Brückenfunktion und einem Ort in der Nähe zur Sprachgrenze gewählt wurde - betrachte ich als echt konkordanzfreundlichen Entscheid - und was hat das nun mit Töss zu tun? Auch in Töss gibt's Orte mit spezifischer Brückenfunktion - aber dazu mehr im Beitrag von Mitte Januar!

Konkordanz ist eben ein sehr vielschichtiger Begriff – so vielschichtig, wie die Regierungsarbeit in einer Kollegialbehörde eben auch sein sollte! Ich bin also nun gespannt auf vielschichtige Reaktionen auf meinen ersten „vollumfänglichen“ Blogbeitrag.

Matthias Gfeller, Stadtrat aus dem Eichliacker-Quartier


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Matthias Gfeller wohnt seit 1985 in Töss im Eichliacker. 1985 wurde er in den Gemeinderat gewählt, seit 2006 ist er Stadtrat.
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