Schraubenschlüssel, Schraubenzieher, Schraubendreher
Töss-Blog
Geschrieben von: Katharina Schirrmeister   
Mittwoch, den 11. Juli 2012 um 00:00 Uhr
Heute morgen hatte ich den Griff unserer Wohnungstüre in der Hand. Es war nicht schwierig, ihn wieder auf den aus der Tür ragenden Stift zu schieben, aber eigentlich muss man das Dings doch befestigen. Eine kurze Untersuchung ergibt, dass ich hier vermutlich einen Schlüssel benötige, mit dem man von innen die Schraube festzieht. Alles klar? So einen wie für die TrippTrappStühle. nur viel kleiner. In der Holzkiste, wo sich Daniels Handwerkszeug befindet, sind solche Geräte anwesend. Daniel, mein Mann ist abwesend.

Insgesamt komme ich auf 26 von der Sorte, etwa 10 haben die gleiche Grösse, einer ist zu klein, die anderen alle zu gross. Offenbar muss also ein neuer gekauft werden. Und ich gehe sicher nicht in den Bau & Hobby mit einem süssen Lächeln und sage, dass ich keinen Schimmer habe, was ich brauche, aber das, was ich suche, brauche ich dringend. Nie im Leben. Ich muss es rausfinden. Wie heisst das Teil? Google, Bilder. Jede Menge Schraubenschlüssel, eine grosse Anzahl Männer und Männlein mit einer grossen Vielfalt dieser Werkzeuge, darunter ein schon angejahrter «Held der Arbeit», der als Symbol für die Klempnerinnung aufgeführt ist. Frauen als Affichen für Werkzeuge sind per se nicht fachkompetent, sondern schön. So wie ich? Also fachkompetent, das bin ich ja nun offensichtlich nicht. Aber langhaarig, blond, etc ???
Egal. Ich will mich nicht verführerisch mit dem Gerät auf einer Werkbank räkeln, sondern die Klinke fixieren.
Ich sehe etwas: Torx. Google. Ich finde Bilder von Torxprofilen, da, der sieht aus wie das Negativ an meiner Klinke. Inbus. Google. Ich weiss nun: ich muss einen neuen Inbusschlüssel kaufen. Nein, nein, kein Schreibfehler: das Dings heisst korrekt INbus. Dadurch, dass Imbus leichter auszusprechen ist, wurde dieser Originalname verwaschen und verfälscht. Wikipedia: es handelt sich um ein Akronym und eigentlich den Markennamen des  Produkts, Innensechskant wäre die korrekte Bezeichnung. Der Name leitet sich ab von: Innensechskantschraube Bauer und Schaurte. Hier sind die beiden Erfinder verewigt, die ihre Erfindung in einer gemeinsamen Firma zu Geld machten und dasselbe ihren Nachfahren heute noch ermöglichen. Soweit die Theorie.
Nach kurzer Sprechprobe fühle ich mich gerüstet für einen Einkauf in meinem Tössemer Lieblingsgeschäft (abgesehen von Chäs Scherrer, der liegt ja auch nicht mehr in Töss, und führt keine Inbus). Der Name muss mir flüssig von den Lippen kommen, eher beiläufig, kein Gedanke an Google oder gar Google Bilder, ich kaufe nicht den ersten Inbus sondern erledige diese Art Einkäufe nahezu täglich. Das ist die Message, die rüberkommen muss. Ich bin nicht der Typ Frau, der im gestärkten Schürzchen mit Hochsteckfrisur und waffenscheinpflichtigen Pumps händeringend neben dem werkzeugschwingenden testosteronausdünstenden Mann steht, der allen Fährnissen des mechanischen Lebens seine brillante Fachkenntnis und sein Geschick, nicht zu vergessen seine Kraft, entgegensetzt. Nein, ich kann das und mein Ehrgeiz ist es, anhand der ermittelten Kenntnisse das Gewünschte selber zu finden, denn nix hasse ich mehr als den mitleidigen wissenden Blick der Verkäufer, wenn eine Frau ein Werkzeug verlangt. Ich möchte nicht immer in die Spielzeugecke geführt werden. Ich will einen richtigen Inbus. Obwohl ich keine Ahnung habe. Was mir ja eigentlich peinlich ist.
Aus irgendeinem Grund gehe ich nicht sofort in den Bau und Hobby. Ich erledige 1000 andere Dinge, vergesse die Türklinke und schon ist Samstagabend, und der Bau und Hobby ist geschlossen, ja , auch der macht mal irgendwann zu.
Es endet so, dass ich mit einem sehr kleinen Kreuzschraubenzieher die Klinke behelfsmässig anschraube und, was soll ich sagen, sie hält. Ganz ohne Inbus.

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Katharina Schirrmeister, lebt im Juli 2012 seit genau 11 Jahren mit ihrer Familie in Töss.