Sommer-Sonntag-Morgen
Töss-Blog
Geschrieben von: Katharina Schirrmeister   
Dienstag, den 17. Juli 2012 um 00:00 Uhr
Ich schlage die Augen auf. Mein Blick fällt auf das Flüsschen, mit einem leichten, duftigen Nebelschleier zwischen den Bäumen, es scheint in der Nacht geregnet zu haben. Der Fluss hat diese kühle grüne Farbe, die er nach Regen annimmt, wenn es kein Unwetter war, das Schlamm aufgewühlt, Erde mitgerissen und ihn braun gefärbt hat.

Nein, es ist grün, erinnert an Berge, Ferien, Wanderungen. Mitten in den grünen Fluten steht ein Reiher, den Körper stromaufwärts gewendet, den Blick aufmerksam auf die Fluten gerichtet, die seine gelblichen Beine umspülen. Der spitze, lange Schnabel ist bereits in Warteposition: Frühstück wird gesucht. Am mit Büschen und kleinen Bäumen bewachsenen Ufer sind weitere Tiere zu sehen: eine schwarze, gut genährte Katze sitzt mit gespitzten Ohren nicht weit vom Rand des Wassers entfernt und beobachtet mit zuckendem Schwanz konzentriert zwei Enten, die offenbar nicht daran denken, den Fehler ihrer Kollegin aus „Peter und der Wolf“ nachzuahmen: sie bleiben schön im Wasser, immer in der Mitte des, nein nicht Teiches, sondern des Flusses. Sie gründeln fleissig, schwimmmen etwas flussaufwärts, lassen sich dann wieder abwärts treiben und halten sich dann auf der Stelle. Immer mitten im Fluss. Und ja, richtig, ein Vogel macht sich auch bemerkbar, ganz wie im Klassiker von Prokofiev, ein Amselmännchen sitzt auf einer der Erlen, die zur Zeit halb im Wasser stehen, er hat sich ganz oben auf den dünnsten Ästen platziert, die ihn noch gerade so eben tragen, so kommt sein Gesang bestmöglich zu Geltung. Unglaublich, dass aus einem so kleinen Vogelkörper so lauter Gesang tönen kann. Da ich selber gerne singe, frage ich mich, wie er das wohl macht. Aber zu intensiv denke ich nicht nach, es ist zu idyllisch und zu früh am Morgen, meine Trägheit lässt diesen Gedanken wie auch andere einfach an sich vorüberziehen.
Die Szene ist menschenleer: kein Peter, kein Grossvater, auch keine Jäger aus dem Wald. Keine Flöten-, Oboen-, Klarinetten-, Fagott- oder Hornklänge.
Das Ufer ist grün in unglaublichen Schattierungen, smaragdgrün, grasgrün, lindgrün, dunkelgrün, gelblich-grün, silbergrün; jede Pflanze ein anderer Farbton, und dahinter und darunter der nun in der Sonne grünlich glitzernde Fluss.
Mein Blick fällt auf den weiteren Horizont, andere Grüntöne sind zu sehen, die bewaldeten Hügel am Horizont mit einem gelben Fleck: da scheint vor kurzem ein kleiner Felsrutsch passiert zu sein.
Ein leichtes Lüftchen hat den Nebel vertrieben, der Himmel ist inzwischen ganz blau, die Sonne scheint, ich geniesse die Idylle vor meinen Augen, ohne mich bisher aus dem Bett bewegt zu haben.
Bin ich im Schwarzwald? Im Engadin? An einer anderen begehrten Touristenattraktion?
Da erklingt aus dem Esszimmer der süsse Ruf: „Frühstück ist fertig“! meines Liebsten. Ja, ich bin zuhause, zuhause in Töss.

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Katharina Schirrmeister, lebt im Juli 2012 seit genau 11 Jahren mit ihrer Familie in Töss.