
Praxiseinsatz von Birdlife Töss-Tössfeld für Biodiversität beim Bahnhof Töss
Hotspot für das Einjährige Berufkraut
Das Einjährige Berufkraut ist ein hübsches Blümchen und wird gerne mit Margeriten oder Kamillenarten verwechselt. Doch das Einjährige Berufkraut ist ein invasiver Neophyt, der andere Pflanzen verdrängt. Töss ist besonders betroffen. Die beste Bekämpfungsmethode: jäten und entsorgen!
Das Bord gegenüber dem Güterschuppen beim Bahnhof ist eindrücklich: bis vor drei, vier Jahren entwickelte es sich Sommer für Sommer in ein buntes Wiesenbord mit Salbei, Rotklee, Margeriten und Wiesen-Witwenblumen. Auch vereinzelte einjährige Berufkräuter mit feinen Blütenköpfen tauchten auf. Mit ihrer raffinierten Vermehrungsstrategie hat es das Berufkraut geschafft, die Pflanzenvielfalt der bunten Wiese zu verarmen. Denn: Das Einjährige Berufkraut produziert pro Pflanze 50 000 leichte Samen, die der Wind weit verteilt und die lange in der Erde ausharren können. Zudem wächst es nach einem Schnitt viel schneller als die anderen Pflanzen und bei regelmässigen Schnitten verwandelt es sich in eine mehrjährige, buschige und blühfreudige Pflanze. «Tatsächlich ist Töss aufgrund der Bahn und Autobahn ein Hotspot für das Einjährige Berufkraut. In diesen Schneisen mit viel Wind werden die leichten Samen bestens verteilt», sagt Roman Seiterle von Stadtgrün Winterthur. Er ergänzt: «Das Einjährige Berufkraut stammt ursprünglich aus Nordamerika und kam im 18. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa. Nun zählt es zu den dominantesten gebietsfremden Pflanzen, die sich am effektivsten bekämpfen lassen, indem man sie vor dem Versamen mit den Wurzeln ausreisst.»

Spacegrüne Rosetten
Dass sich BirdLife Töss-Tössfeld vorgenommen hat, das Einjährige Berufkraut am Bahnhof Töss zu jäten, freut Seiterle. Die konsequente Bekämpfung des Berufkrautes ist so aufwändig, dass Stadtgrün aufgrund des verbreiteten Vorkommens entscheiden musste, nur an schutzwürdigen Orten zu jäten, also vor allem in Naturschutzgebieten und in städtischen Parkanlagen. Sonst wird die weitere Ausbreitung der invasiven Pflanze mit regelmässigem Mähen und sofortiger Entfernung des Schnittgutes verhindert, denn das Berufskraut entwickelt rasch eine Notversamung und könnte sich so auch nach dem Schnitt weiterverbreiten. Die sofortige Entfernung des Schnittgutes hat für die einheimischen Pflanzen auch Nachteile: auch hier wird ein vollständiges Absamen verhindert.
«BirdLife Töss-Tössfeld braucht Geduld: pro Saison sind mehrere Jätdurchgänge nötig, weil sich immer wieder neue Rosetten bilden. Aber die frischen Rosetten sind auffällig», sagt Seiterle. «Sie sind meist spacegrün.» Das gejätete Berufkraut darf auf keinen Fall auf dem gewöhnlichen Kompost landen. Es muss im Kehricht und am besten in den städtischen Neophytensäcken entsorgt werden.
Noch ist es keine Pflicht, das Einjährige Berufkraut zu auszureissen. «Wenn ich Vorkommen in einem privaten Garten sehe, nutze ich die Gelegenheit und erkläre den Besitzern, dass es sinnvoll sei, es zu jäten», erklärt Seiterle. Anders ist es mit dem Schmalblättrigen Greiskraut. Diese gelbblühende Pflanze mit leicht gezähnten, rosmarinähnlichen Blättern ist auch ein invasiver Neophyt und enthält Lebergifte, die für Menschen und Tiere gefährlich sind. Die natürlichen Toxine können durch Honig, Milch oder Getreide in den menschlichen Organismus gelangen. Für diese Pflanze besteht eine Bekämpfungs- und Meldepflicht. Auch in Töss entdeckt Stadtgrün dieses giftige Greiskraut immer wieder bei der Autobahn. «Im Siedlungsgebiet ist es bis jetzt zum Glück nur vereinzelt festgestellt worden», sagt Seiterle.
Karin Salmn
