Neuer Busfahrplan ab Dezember der Buslinie 5 ins Dättnau

ÖV-Verdichtung wird zum Gegenteil

Was auf den ersten Blick wie eine Verbesserung wirkt, stellt sich nach Ansicht des Quartiervereins Dättnau als Verschlechterung heraus: die neue Busverbindung ins Dättnau ab dem Fahrplanwechsel im Dezember. Eine dringliche Interpellation im Stadtparlament fand aber keine offene Ohren bei Stadträtin Martina Blum (Grüne).

10-Minuten-Takt statt 15-Minuten-Takt: auf den ersten Blick liest sich der neue Fahrplan der Buslinie 5 ins und vom Dättnau als deutliche Verbesserung des Angebots. Allerdings hat die Sache einen Haken: da die Busse im oberen Dättnau nicht kreuzen können, fahren sie wechselweise verschiedene Schleifen-Routen. Was wiederum bedeutet, dass gewisse Haltestellen nur noch alle 20 Minuten eine normale Verbindung ins Stadtzentrum haben. Also ein Abbau des Angebotes.

Quartierverein überrumpelt

«Wir fühlen uns überrumpelt», sagt Danja Marazzi vom Quartierverein Dättnau: an der Generalversammlung des Quartiervereins 2023 wurde von Stadtbus eine Verdichtung auf 10-Minuten-Takt ohne Fahrplansplitting vorgestellt. Erst im März 2026 sei plötzlich die Version mit einem Splitting der Busse im Raumg gestanden. Mitverantwortlich dafür nach Aussagen von Stadtbus auch eine 5-minütige Pause an der Endhaltestellt, die dazu führt, dass die an- und abfahrenden Busse sich im oberen Dättnau kreuzen würden, was aus Platzgründen nicht möglich ist. So entstand eine Lösung mit wechselnd unterschiedlichen Schlaufen. Bei der öffentlichen Auflage gingen über dreissig Änderungsbegehren aus dem Dättnau ein. Die meisten wurden abgelehnt, zwei zu Bearbeitung auf später verschoben. Rund die Hälfte der gegen 4000 Bewohner:innen im Dättnau würden damit ab Dezember ein schlechteres ÖV-Angebot in Kauf nehmen müssen. Die Zahlen sind eindeutig: bereits heute dauert die Fahrt ab Dättnau zum HB 23 Minuten für eine Strecke von 4,7 Kilometer. Mit der neuen Schlaufe werden es bis zu 30 Minuten sein. «Länger als nach Zürich», hielt Annetta Steiner (GLP) dazu fest. Weitere Vergleichszahlen zeigen tatsächlich eine deutlich schlechtere Anbindung des Quartiers: dauert die ähnlich lange Fahrt von Seuzach zum HB nur 17 Minuten, oder gar nur 15 Minuten sind es nach Neftenbach, obwohl diese Strecke deutlich länger ist. Der Quartierverein suchte in der Folge das Gespräch mit Stadtbus und erarbeitete eine Lösung, welche die Verschiebung der Puffer- und Wartezeit für die Linie 5 an den HB verschob. Dadurch wären keine Kreuzungen mehr notwendig geworden und das ganze Dättnau hätte von der Verdichtung profitiert.

Stadtparlament unterstützt Anliegen

Um diese Lösung jedoch zu implementieren wäre ein Rekurs des Stadtrates gegen den bereits gesetzten neuen Fahrplan notwendig gewesen. Unterstützung fand der Verein dafür im Stadtparlament – und zwar über alle Parteigrenzen hinweg. Eine Interpellation forderte den Stadtrat auf, gegen den Fahrplanentwurf Rekurs einzulegen. Sie wurde einstimmig für dringlich erklärt und an den Stadtrat überwiesen. Marilena Gnesa (SP) hielt fest, dass die Verbesserung es Angebotes am anderen Ende der Linie nicht zu einer Verschlechterung im Dättnau führen dürfe. Die Antwort von Stadträtin Martina Blum (Grüne) fiel allerdings ernüchternd aus. Die Stadt werde nicht auf das Fahrplankonzept zurückkommen und keinen Rekurs einlegen. Die geplante Verdichtung führe für ein grosses Einzugsgebiet zu einer deutlichen Verbesserung. Im Dättnau bestünde zudem für bestimmte Bewohnerinnen auch die Möglichkeit eine etwas weiter liegende Haltestelle zu Fuss zu erreichen und so die Fahrzeit zu verkürzen.

Für den Quartierverein eine enttäuschende Antwort. «Wir lasssen es aber nicht darauf bewenden und werden im Hinblick auf die nächste Fahrplanperiode uns dafür einsetzen, eine bessere Lösung zu finden», hält Vereinspräsident Daniel Aebischer fest.

(me.)